Hays, Aktie

Hays Aktie: Gespräche über Ausstiege aus sieben Ländern

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 09:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hays meldet im ersten Quartal 3 Prozent weniger vergleichbare Nettohonorare; Festvermittlung und Nettoschulden bleiben zentrale Belastungen.

Modernes Büro mit Beratungsgespräch zwischen Personalberaterin und Kandidat am Schreibtisch
Hays plc GB0004161021 zeigt Personalberater im modernen Büro beim vertraulichen Bewerbungsgespräch mit Lebensläufen Illustration mit AI erstellt.

Hays hat heute einen geringeren Honorarrückgang gemeldet als erwartet. Laut Reuters sanken die Nettohonorare auf vergleichbarer Basis um 3%, während Analysten mit einem Minus von 4% gerechnet hatten. Eine Entwarnung liefert das Ergebnis nicht: Die Aktie verliert heute -9,1%, und die Festvermittlung bleibt deutlich unter Druck.

Der Personalvermittler setzt auf Kostensenkungen und eine stärkere Konzentration seines Länderportfolios. Wachstum in den USA und Asien federt die Schwäche anderer Märkte ab. Kurzfristig erwartet Hays stabile Marktbedingungen, aber noch keine breite Erholung.

Festvermittlung bleibt die Schwachstelle

Das heute veröffentlichte Zwischenupdate betrifft das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 bis Ende September. Die Honorare aus temporärer Vermittlung und Contracting gingen um 1% zurück. In der Festvermittlung fiel der Rückgang mit 7% deutlich stärker aus.

Damit entwickeln sich die beiden Geschäftsbereiche unterschiedlich. Das temporäre Geschäft zeigt sich widerstandsfähiger, während die Festvermittlung weiterhin unter sinkenden Vermittlungszahlen leidet. Höhere Honorare je erfolgreicher Vermittlung gleichen diesen Rückgang nur teilweise aus.

Das Vermittlungsvolumen im Festgeschäft sank um 12%, das durchschnittliche Honorar stieg dagegen um 5%. Im temporären Geschäft blieb das Volumen gegenüber dem Vorquartal stabil. Für September meldete Hays einen vergleichbaren Honorarrückgang von 2% und damit eine Abschwächung gegenüber dem Quartalsdurchschnitt.

Das ist ein vorsichtiges Stabilisierungssignal, kein bestätigter Wendepunkt. Auch die Erwartung kurzfristig stabiler Märkte spricht eher für eine Bodenbildung als für einen unmittelbar bevorstehenden Aufschwung.

Deutschland belastet, USA und Asien wachsen

Deutschland bleibt für die Gruppenentwicklung besonders wichtig. Der Markt steht für 32% der Konzernhonorare und verzeichnete einen Rückgang von 6%. In Großbritannien und Irland sanken die Honorare um 5%.

Die regionale Schwäche ist damit nicht auf einen einzelnen Markt begrenzt. Zugleich zeigen die Ergebnisse außerhalb Europas, dass Hays weiterhin in einzelnen Regionen wachsen kann. Diese Unterschiede machen die geplante Neuausrichtung des Länderportfolios für Anleger relevant.

Laut Reuters legten die Nettohonorare in den USA um 8% und in Asien um 6% zu. Frankreich verzeichnete dagegen einen Rückgang von 16%.

Hays führt fortgeschrittene Gespräche über Ausstiege aus Belgien, Brasilien, Großchina, Malaysia, den Niederlanden, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der geplante Fokus liegt auf 16 Kernländern. Die Gespräche sind noch keine abgeschlossenen Verkäufe.

Bereits vollzogene Schließungen und Veräußerungen wirken sich auf die berichtete Entwicklung aus. Einschließlich dieser Veränderungen sanken die Nettohonorare tatsächlich um 5%. Der vergleichbare Rückgang bildet die Entwicklung des fortgeführten Geschäfts daher besser ab.

Einsparungen und Bilanz rücken in den Fokus

Parallel zum Portfolio-Umbau passt Hays seine Kapazitäten an. Die Beraterzahl lag zum Quartalsende um 9% unter dem Vorjahresniveau. Zugleich stieg die Nettohonorarproduktivität je Berater um 8%. Im Quartal erzielte das Unternehmen Einsparungen von rund 10 Mio. GBP.

Die höhere Produktivität zeigt Fortschritte bei der Anpassung an das schwächere Geschäft. Sie beseitigt allerdings nicht die Belastung durch rückläufige Honorare. Für Anleger zählt deshalb neben der Nachfrageentwicklung auch, ob die Kostensenkungen dauerhaft greifen.

Für das Geschäftsjahr 2027 strebt Hays weitere jährliche Einsparungen von 50 Mio. GBP an. Seit Beginn des Geschäftsjahres 2024 erreichten die strukturellen Einsparungen bereits rund 125 Mio. GBP jährlich.

Auch die Bilanz verdient Aufmerksamkeit. Ende September meldete Hays Nettoschulden von rund 45 Mio. GBP. Ende Juni hatte noch eine Nettoliquidität von 20,1 Mio. GBP bestanden.

Der bessere Verlauf gegenüber den Erwartungen reicht damit nicht für eine umfassende Entwarnung. Hays stabilisiert Teile des Geschäfts und senkt Kosten. Die anhaltende Schwäche der Festvermittlung und die veränderte Liquiditätsposition begrenzen jedoch die Aussagekraft des positiven Überraschungseffekts.

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