Harworth, Aktie

Harworth Aktie: Übernahmeangebot überschattet Strategieschwenk

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 12:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Harworth lehnt Peels unaufgefordertes Angebot ab, steigert die Dividende und richtet das Geschäft stärker auf Logistik und Rechenzentren aus.

Harworth weist Übernahmeangebot zurück und beschleunigt Strategiewechsel
Moderne Immobilienentwicklung und urbane Architektur bei Sonnenuntergang als Symbol für strategische Marktveränderungen. Illustration mit AI erstellt.

Während Harworth seine Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 präsentiert, läuft im Hintergrund ein unaufgefordertes Übernahmeangebot von Peel Pepper (U.K.) Limited, einer Tochter der Peel Holdings Group. Das Management hat dazu bereits eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht und lehnt das Angebot ab. Kein Wunder, dass die Halbjahreszahlen in diesem Kontext fast zur Nebensache werden.

Rein operativ zeigt sich ein gespaltenes Bild. Der EPRA-Nettovermögenswert je Aktie sank auf 214,8 Pence, ein Rückgang von 4,3 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025. Die Gesamtkapitalrendite lag im ersten Halbjahr bei minus 3,7 Prozent. Trotzdem erhöhte der Vorstand die Zwischendividende um 10 Prozent auf 0,592 Pence je Aktie – ein Signal, dass das Management an der langfristigen Substanz des Unternehmens festhält.

Wohnimmobilien belasten, Logistik trägt

Der Wertverlust von 14,9 Millionen Pfund im Gesamtportfolio geht fast vollständig auf das Wohnsegment zurück. Schwache Nachfrage und Baukosteninflation drückten die großen Wohnentwicklungsprojekte um 15,8 Millionen Pfund nach unten. Im Gegensatz dazu lieferte das Industrie- und Logistiksegment mit 12,7 Millionen Pfund Wertzuwachs einen Gegenpol, getragen von Fortschritten bei der Rechenzentrums-Pipeline.

Die Nettoverschuldung stieg auf 190 Millionen Pfund, entsprechend einer Beleihungsquote von 20,3 Prozent – bis Ende August bereits wieder auf 17,1 Prozent zurückgeführt. Das Unternehmen bleibt damit deutlich unter der selbstgesetzten Obergrenze von 25 Prozent.

Rechenzentren als Wertkatalysator

Der eigentliche Treiber der Investmentgeschichte liegt in der Machtreserve für Rechenzentren. Harworth hat sich Stromkapazitäten von 0,8 Gigawatt gesichert und zählt damit zu den größten Haltern von "powered land" im britischen börsennotierten Immobiliensektor.

Nach dem Verkauf von Land an Microsoft im Juni 2024 für 106,6 Millionen Pfund befindet sich das Unternehmen seit August 2026 in Exklusivverhandlungen mit einem weiteren führenden Rechenzentrumsbetreiber für ein zweites Großprojekt.

Eine externe Bewertung durch JLL beziffert das noch nicht in der Bilanz erfasste Gewinnpotenzial aus dem bestehenden Rechenzentrums-Landportfolio auf 293 Millionen Pfund. Hinzu kommen geschätzte 174 Millionen Pfund aus dem übrigen bau- und verkaufsreifen Landbestand.

Das Management kündigte parallel eine Beschleunigung des strategischen Umbaus an: der vollständige Ausstieg aus dem Wohnsegment und die Konzentration auf Industrie-, Logistik- und Stromland-Geschäft. Die Zahl der Standorte soll von rund 100 auf etwa 60 sinken. Langfristig peilt Harworth eine Gesamtkapitalrendite im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an – ein deutlicher Sprung gegenüber dem negativen Halbjahresergebnis.

Für die kommenden Wochen dürfte weniger die operative Entwicklung im Vordergrund stehen als die Reaktion der Aktionäre auf das Angebot von Peel Pepper. Der Vorstand hat seine Ablehnung bereits klar kommuniziert und signalisiert gleichzeitig, überschüssiges Kapital aus möglichen Anlageverkäufen künftig an die Aktionäre zurückzugeben.

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