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Goldman Sachs Aktie: Ölpreis-Wette mit Kalkül

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 10:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Goldman Sachs erhöht die Brent- und WTI-Ziele für 2026 und 2027. Zugleich sieht die Bank wegen der Hormus-Lage erhebliche Aufwärtsrisiken.

Photorealistic trading floor filled with investment bankers in white shirts at multi-monitor workstations during blue hour, city skyline glowing through floor-to-ceiling windows in the background
Goldman Sachs US38141G1040 Trading Floor Banker in Hemden arbeiten bei blauer Stunde an Bildschirmen Illustration mit AI erstellt.

Goldman Sachs schraubt seine Ölpreisprognosen nach oben – und begründet das mit einer Eskalation, die andere längst als Krise beschreiben. Während an der Straße von Hormus kaum noch Tanker durchkommen, bleibt die Bank erstaunlich nüchtern in ihrer Einschätzung. Genau diese Mischung aus Dringlichkeit und Zurückhaltung macht die Analyse bemerkenswert.

Die Rohstoff-Strategen um Daan Struyven heben ihre Brent- und WTI-Prognosen um 5 Dollar an. Für Dezember 2026 rechnet das Haus nun mit 85 beziehungsweise 80 Dollar pro Barrel, für 2027 mit 80 und 75 Dollar. Der Grund: Die Störungen in der Schifffahrt durch die Straße von Hormus dürften sich bis ins kommende Jahr fortsetzen.

Markt preist längeren Konflikt ein

Der Terminmarkt reagiert bereits deutlich stärker als die Prognose selbst. Brent-Futures kletterten zuletzt auf 97,74 Dollar, die Optionsmärkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 25 Prozent ein, dass die Marke von 100 Dollar bis März 2027 fällt – vor einem Monat lag dieser Wert noch bei etwa 6 Prozent.

Goldman selbst nennt die eigene Anhebung "moderat". Zwei Gründe stützen diese Zurückhaltung: Die kommerziellen Öllagerbestände der OECD-Staaten sind seit Kriegsbeginn kaum gesunken, weil sich die Abbauten vor allem auf strategische Reserven, Lagerbestände auf See und China konzentrieren. Zudem geht die Bank davon aus, dass sich die Nahost-Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2027 durch neue Pipelines wieder erholt.

Die Situation vor Ort bleibt angespannt. Nach Angriffen der iranischen Revolutionsgarden auf US-Kriegsschiffe griffen amerikanische Streitkräfte am Wochenende drei iranische Öltanker an, darunter einen nahe der wichtigen Exportinsel Kharg. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist auf einen gleitenden Zehn-Tage-Durchschnitt von zehn Schiffen gefallen – noch am Freitag waren es mehr als 15.

Zwei Szenarien, große Spanne

Goldman selbst räumt ein, dass die Risiken für die eigene Prognose "deutlich nach oben gerichtet" sind, besonders kurzfristig. Die Bank skizziert zwei Extremfälle:

  • Aufwärtsszenario: Bleibt die Golf-Produktion 2027 im Schnitt 4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau, könnte Brent die 120-Dollar-Marke überschreiten. Auslöser wären intensivierte Angriffe in der Straße von Hormus und im Roten Meer.
  • Abwärtsszenario: Steigt die Golf-Produktion um 1 Million Barrel pro Tag über das Vorkriegsniveau, könnte Brent 2027 in den 60-Dollar-Bereich zurückfallen.

Als Absicherung gegen das geopolitische Risiko empfiehlt die Bank weiterhin Spreads bei europäischem Diesel zwischen März und Dezember 2027 – diese könnten sich mehr als verdoppeln, sollten anhaltende Ausfälle russischer oder nahöstlicher Raffinerien die kurzfristigen Spreads auf dem aktuellen Niveau halten.

Für Goldman Sachs selbst zeigt die Episode, wie das Handelsgeschäft von geopolitischen Verschiebungen profitiert – unabhängig davon, in welche Richtung sich der Ölpreis am Ende bewegt. Die nächste Wegmarke liefert das angekündigte Abkommen zwischen Iran und Oman zur Sicherung der Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus, dessen Details der Markt derzeit abwartet.

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