Getlink Aktie: Investitionsstopp wegen 65 Millionen Pfund
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Tunnelbetreiber Getlink hat für den Monat August eine zweigeteilte Bilanz im operativen Geschäft vorgelegt. Während der Güterverkehr spürbar zulegen konnte, verzeichnete das Segment der Passagierfahrzeuge einen Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel dazu verschärft das Unternehmen seine Kritik am britischen Investitionsstandort und reagiert auf drastisch steigende Steuerlasten mit einem teilweisen Investitionsstopp.
Frachtgeschäft legt zu – Passagierzahlen rückläufig
Im vergangenen Monat transportierte der Dienst LeShuttle Freight insgesamt 90.033 Lastkraftwagen durch den Ärmelkanaltunnel. Dies entspricht einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat, in dem 86.090 Lkw verzeichnet wurden. Damit setzt sich der positive Trend im Güterverkehr fort, der eine wichtige Säule für das Geschäftsmodell des Unternehmens darstellt.
Weniger dynamisch entwickelte sich hingegen der private Reiseverkehr. Die Zahl der beförderten Passagierfahrzeuge sank im August auf 318.524 Einheiten, nachdem im Vorjahr noch 334.846 Fahrzeuge registriert worden waren. Trotz dieser gemischten Verkehrsdaten weist die Aktie eine solide Performance auf: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 16 %.
Steuerstreit und Investitionsstopp im Vereinigten Königreich
Abseits des operativen Tagesgeschäfts sorgt die politische Lage im Vereinigten Königreich für Unruhe. Getlink hat angekündigt, geplante Investitionen in Großbritannien vorerst einzufrieren. Hintergrund ist eine massive Erhöhung der Grundsteuer für den Eurotunnel, die nach Unternehmensangaben von ursprünglich 22 Millionen Pfund auf voraussichtlich 65 Millionen Pfund bis zum Jahr 2028 ansteigen soll.
Im Rahmen einer Studie von Oxford Economics, die von Getlink sowie den Betreibern der Flughäfen Gatwick, Stansted und Manchester unterstützt wurde, wird vor den Folgen einer unberechenbaren Politik gewarnt. Demnach habe das Vereinigte Königreich seit dem Jahr 2000 fast 2 Billionen Pfund an potenziellen Investitionen verloren.
Mit einer Investitionsquote von 18,9 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 lag das Land deutlich hinter dem OECD-Durchschnitt von 22,5 %. In einem offenen Brief an den Schatzkanzler John Healey fordern die Unternehmen nun eine Reform der Gewerbesteuern, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.
Analysten sehen langfristige Sicherheit durch Konzessionen
Trotz der steuerpolitischen Hürden bewerten Experten die strukturelle Position von Getlink als stabil. Die Analysten von JPMorgan stufen den Wert derzeit mit „Neutral“ und einem Kursziel von 19 Euro ein. Ein wesentliches Argument für die Stabilität des Titels sei der langfristige Schutz durch die bestehenden Konzessionsverträge.
Da der Vertrag für den Betrieb des Tunnels bis zum Jahr 2086 läuft und Änderungen sowohl der französischen als auch der britischen Zustimmung bedürfen, gilt das Unternehmen als weitgehend geschützt vor einseitigen Neuausschreibungen oder kurzfristigen vertraglichen Eingriffen.
Zudem profitiert Getlink von einer Ausnahmeregelung bei der 2024 eingeführten Steuer auf Fernverkehrsinfrastruktur in Frankreich, von der andere Konzessionsnehmer wie Autobahnbetreiber stärker betroffen sind.
Gestern schloss die Aktie bei einem Kurs von 18,40 €, womit sie sich weiterhin unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs von 20,18 € bewegt. Zum Stichtag am 31. August 2026 gab das Unternehmen zudem bekannt, dass das Grundkapital unverändert aus 550 Millionen Aktien besteht, wobei die Zahl der theoretischen Stimmrechte bei 642.873.679 liegt.
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