Gerresheimer Aktie: UBS erhöht auf 28,50 Euro
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 21:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gerresheimer bleibt in Bewegung – sowohl operativ als auch an der Börse. Zum Freitagsschluss notierte die Aktie bei 26,34 Euro, ein Rückgang von 0,83 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,57 Prozent zu Buche. Damit gehörte das Papier zuletzt zu den schwächeren Werten im Umfeld, während sich am Kapitalmarkt eine intensive Debatte über die strategische Neuausrichtung des Verpackungsherstellers entzündet hat.
Apax-Deal soll die Bilanz entlasten
Im Zentrum der Diskussion steht der am 29. Juli verkündete Verkauf an ein Konsortium um Apax Partners LLP. Gerresheimer trennt sich von der US-Tochter Centor US Holding sowie vom weltweiten Geschäft mit Primärverpackungen aus Kunststoff, kurz PPP. Der Kaufpreis basiert auf einem Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro. Der Centor-Verkauf soll bis Ende des laufenden Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen sein, die PPP-Transaktion folgt im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027. Rund 2.400 Beschäftigte wechseln damit zu Apax. Finanzvorstand Wolf Lehmann bezeichnete den Schritt in der Unternehmensmitteilung als wichtigen Meilenstein zur Optimierung der Kapital- und Finanzierungsstruktur, mit dem die Verschuldung deutlich sinken und der Schuldenabbau beschleunigt werden solle.
Am Kapitalmarkt wird nun spekuliert, ob nach Abschluss beider Verkäufe und einer möglichen weiteren Veräußerung des Moulded-Glass-Geschäfts ein weitgehend schuldenfreies Unternehmen entstehen könnte. Kritiker verweisen dagegen auf das negative Ergebnis je Aktie im Vorjahr und auf die weiterhin ungeklärte BaFin-Untersuchung, die trotz sinkender Verschuldung als überlagerndes Risiko gilt.
UBS dreht deutlich, Jefferies bleibt vorsichtig
Die Reaktion der Analysten fiel unterschiedlich aus. Am Dienstag hob dpa-AFX eine deutliche Kurszieländerung der UBS hervor: Die Schweizer Großbank erhöhte ihr Kursziel für Gerresheimer von 12,90 auf 28,50 Euro und stufte die Aktie von "Sell" auf "Neutral" hoch. UBS-Analyst Olivier Calvet begründete den Schritt damit, dass die jüngsten Verkäufe von Geschäftseinheiten eine geringere Verschuldung nach sich zögen. Das ermögliche es dem Hersteller von Pharma-Spezialverpackungen, bestimmte Kreditauflagen zu erfüllen. Die Risiken rund um eine Testfrist im November seien vorher groß gewesen.
Jefferies äußerte sich bereits am 29. Juli zurückhaltender. Analyst Christopher Richardson beließ die Einstufung bei "Hold" mit einem Kursziel von 26,80 Euro. Laut dpa-AFX bewertete er den Centor-Verkauf als vom Markt bereits weitgehend erwartet. Die eigentlich erwartete Transaktion betreffe das Geschäftsfeld Moulded Glass, das Teile der übernommenen Aktivitäten der Bormioli Pharma Group umfasst – hierauf warte der Markt noch.
Termine und operative Fortschritte
Neben dem Konzernumbau lieferte Gerresheimer am 24. Juli zwei weitere Nachrichten. Das Unternehmen berief die ordentliche Hauptversammlung für den 1. September 2026 ein, die virtuell stattfindet und über Entlastung, Vergütungssystem und Aufsichtsratswahlen entscheidet. Zugleich nahm ein neues Tubular-Glass-Werk im chinesischen Zhenjiang Dagang den Betrieb auf. Die Anlage erhöht die Kapazität für Primärverpackungen injizierbarer Arzneimittel, schafft rund 300 Arbeitsplätze und vertieft die zwei Jahrzehnte alte Joint-Venture-Partnerschaft mit Shuangfeng Glass.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Gerresheimer mit Umsatzerlösen in der unteren Hälfte der Spanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 17 und 18 Prozent. Der freie Cashflow soll zwischen minus 50 und minus 100 Millionen Euro liegen, unter anderem wegen eines reduzierten Factoring-Volumens. Erste Zahlen zum neuen Geschäftsjahr werden für August erwartet, Halbjahreszahlen sollen im September oder Oktober folgen, Ergebnisse zum dritten Quartal im Oktober. Bis dahin dürfte die Debatte zwischen Entschuldungshoffnung und verbleibenden Risiken die Aktie weiter begleiten.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 9. August liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
