FTSE, Schutzschild

FTSE 100: Schutzschild gegen KI-Ängste

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 09:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Londoner Leitindex punktet als defensiver Anlagehafen gegen eine mögliche KI-Blase, obwohl das Gewinnmomentum hinter Europa zurückbleibt.

FTSE 100 als sicherer Hafen: Schutz vor KI-Blase trotz schwachem Gewinnmomentum
Die Fassade der Londoner Börse vor einem unscharfen Hintergrund des Finanzdistrikts. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die Gewinnsaison in Europa zunehmend Breite zeigt, bildet der FTSE 100 die auffällige Ausnahme. Ausgerechnet der Londoner Leitindex hinkt beim Gewinnmomentum hinterher — und wird von Analysten trotzdem als einer der sichersten Häfen gehandelt, sollte die Bewertungsblase bei US-Technologiewerten platzen. Ein Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen auflöst.

Schwaches Gewinnmomentum bremst

Die laufende Berichtssaison in Europa fällt insgesamt solide aus. Über die Hälfte der Stoxx-600-Unternehmen hat bereits berichtet, rund 56 Prozent davon lagen über den Erwartungen — nahe am langjährigen Durchschnitt, aber weit hinter der US-Quote von 87 Prozent. Die aggregierten europäischen Gewinne übertrafen die Prognosen um etwa 3 Prozent, in den USA waren es 31 Prozent.

Citi-Strategen um Beata Manthey heben hervor, dass sich das Gewinnmomentum mittlerweile über nahezu alle großen Märkte hinweg positiv entwickelt — mit einer Ausnahme: Großbritannien. Die Bank hat ihre Wachstumsschätzung für die europäischen Gewinne im zweiten Quartal zwar von 11 auf 15 Prozent angehoben, für das dritte Quartal werden sogar 18 Prozent erwartet. Der FTSE 100 profitiert davon bislang aber unterdurchschnittlich.

Warum der Index trotzdem als Schutzschild gilt

Ökonom Joe Maher von Capital Economics sieht im FTSE 100 dennoch einen der widerstandsfähigsten Indizes, falls sich die KI-getriebene Aktienrally als Blase erweist. Sein Argument: Technologie- und Kommunikationswerte machen im MSCI-UK-Index heute nur noch rund 3 Prozent aus — vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 waren es etwa 30 Prozent. Damals fiel der MSCI UK dennoch um rund 40 Prozent, während der MSCI USA um etwa 50 Prozent einbrach.

Zwei weitere Faktoren sprechen laut Maher für Großbritannien. Anders als 2001 wird diesmal keine US-Rezession erwartet, was die Talsohle für globale Aktienmärkte begrenzen dürfte. Zudem rechnet Capital Economics mit einem schwächeren Dollar, sollte die Federal Reserve nach einem KI-Crash die Zinsen senken — das würde relativ auch dem britischen Pfund helfen, auch wenn das Analysehaus wegen erwarteter Zinssenkungen der Bank of England grundsätzlich pfundskeptisch bleibt.

Der FTSE 100 notiert aktuell bei 10.868,05 Punkten und liegt seit Jahresbeginn mit 9,21 Prozent im Plus, während der technologielastige Nasdaq 100 zwar eine höhere Jahresperformance von 12,17 Prozent aufweist, im vergangenen Monat aber ins Minus rutschte. Einen Teil seiner jüngsten Stärke verdankt der Londoner Index allerdings Sondereffekten: Energiewerte profitierten von höheren Ölpreisen im Zuge der Nahost-Spannungen, Finanzwerte von der gestiegenen Marktvolatilität. Capital Economics rechnet damit, dass dieser Rückenwind bald nachlässt — die Analysten gehen davon aus, dass die KI-Blase innerhalb des kommenden Jahres platzen könnte, möglicherweise ist dieser Prozess bereits im Gange.

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