Fresenius Medical Care Aktie: Gewinnmitnahmen nach Zahlen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 18:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Hoch seit fast vier Wochen war schon erreicht, dann kippte die Stimmung. Fresenius Medical Care schloss am Dienstag 3,6 Prozent tiefer bei 39,04 Euro, nachdem die Aktie zeitweise ins Plus gedreht war. Auslöser waren die Aussagen des neuen Konzernchefs Shervin Korangy auf der Analystenkonferenz.
Erholung läuft ins Leere
Vom Tief des Vormonats hatte das Papier zuvor rund 15 Prozent gutgemacht und in der Spitze 41,54 Euro erreicht. Am Nachmittag setzten Gewinnmitnahmen ein. Charttechnisch fiel der Kurs unter mehrere Indikatorlinien im Bereich von 40 Euro, die dicht beieinanderlagen. Bis zum Hoch von 2018 bei fast 94 Euro bleibt der Weg weit.
Im Tagesverlauf war der Abschlag zeitweise noch größer: Als DAX-Schlusslicht verlor die Aktie am Nachmittag mehr als viereinhalb Prozent.
Zahlen mit zwei Gesichtern
Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis sank im dritten Quartal um 5 Prozent auf 545 Millionen Euro. Der Konzern verbuchte im Produktgeschäft 108 Millionen Euro Kosten für die Neuausrichtung in China, darunter die Einstellung von Produktion und Vertrieb des Hämodialysesystems 4008A und der Ausstieg aus der Peritonealdialyse. Der Überschuss brach um 42 Prozent ein.
Das Dialysegeschäft selbst lief besser. Care Delivery steigerte das bereinigte operative Ergebnis, Einsparungen und höhere Vergütungen glichen Personalkosten und das Auslaufen der US-Sonderregeln für neue Dialysemedikamente (TDAPA) mehr als aus. Schwach blieb allerdings das Behandlungswachstum in den USA mit minus 1,1 Prozent, nach minus 0,9 Prozent im zweiten Quartal.
Die Prognose präzisiert das Management nun: Das bereinigte operative Ergebnis soll 2026 währungsbereinigt stabil bleiben oder im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken. Angestrebt wird die untere Hälfte der bisherigen Spanne. Das Umsatzziel bleibt bestätigt.
Gegenwind auch 2027
Finanzchef Martin Fischer rechnet im Schlussquartal mit Belastungen, vor allem durch Erstattungseffekte in den USA sowie Inflation, Energie und Personal. Für 2027 dürften die jüngsten Vergütungsanpassungen die erwarteten Kostensteigerungen nicht auffangen.
Analysten reagierten zurückhaltend. Richard Felton von Goldman Sachs verwies darauf, dass die präzisierte Prognose im vierten Quartal einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses bedeuten würde. David Adlington von JPMorgan sieht die Behandlungszahlen auf dem falschen Weg und erwartet negative Gewinnentwicklungen in den kommenden Quartalen. Das etwas bessere Quartalsergebnis verdanke sich allein TDAPA-Erstattungen.
Korangy, der vor drei Wochen Helen Giza ablöste, bat um Geduld. Er will in den kommenden Monaten Patientenströme, Klinikabläufe und die Innovationspipeline prüfen. Das Sparprogramm seiner Vorgängerin nennt er eine "solide Grundlage". Es soll bis Ende 2027 Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro bringen.
Auch den US-Roll-out des Dialysesystems 5008X CAREsystem treibt er voran, es läuft inzwischen in 348 Kliniken. Eine konkrete Strategie hat der neue Chef bislang nicht vorgelegt.
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