Flughafen Wien Aktie: Zehetner prüft Entlastung bei Flugabgabe
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Flughafen Wien sieht seinen Standort im Wettbewerb mit Bratislava unter Druck. Vorstand Günther Ofner zufolge fehlen Wien heuer zwei Millionen Passagiere, die der benachbarte Flughafen hinzugewonnen habe. Wie der ORF gestern berichtete, prüft Staatssekretärin Zehetner eine Entlastung bei der Flugabgabe. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, ob niedrigere staatliche Kosten den Verkehrsverlust bremsen könnten.
Airlines verlagern Kapazitäten
Wien-Schwechat verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 14,3 Millionen Passagiere. Das waren 3,2 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang bildet den Hintergrund für Ofners Forderung nach einer Abschaffung der Flugabgabe.
Die Verlagerungen bei den Billigfluggesellschaften machen den Wettbewerbsdruck konkret. Wizz Air hat Wien verlassen, Ryanair zieht weitere Flugzeuge nach Bratislava ab. Im Winterflugplan reduziert Ryanair zudem sein Streckenangebot ab Wien. Damit betrifft die Standortdebatte nicht nur die Höhe einzelner Abgaben, sondern auch das verfügbare Flugangebot.
Bratislava liegt laut Ofner lediglich 55 Kilometer von Wien entfernt und bietet um ein Drittel niedrigere Kosten. Seine Argumentation: Reisende und Fluggesellschaften weichen auf den günstigeren Nachbarstandort aus. Eine steuerliche Entlastung soll deshalb Verkehr nach Wien zurückholen.
Staatliche Kosten im Fokus
Ofner unterscheidet zwischen den Gebühren des Flughafens und staatlich bedingten Belastungen. Laut einer vom ORF angeführten DLR-Studie stiegen die Flughafengebühren seit 2019 um 22 %. Der EU-Durchschnitt lag bei 27 %.
Damit richtet sich seine Kritik vor allem gegen jene Kosten, die der Flughafen nicht selbst festlegt. Im ORF-Interview am Freitag bezeichnete Ofner die Ticketsteuer als „Schuss ins eigene Knie“.
Die staatlichen Kosten für Flugsicherung und Ticketsteuer erhöhten sich der genannten Studie zufolge um 85 %. Die Flugabgabe beträgt regulär 12 Euro je Ticket. Für kurze Strecken gilt ein höherer Satz.
Bei Kurzstrecken bis 350 Kilometer fallen 30 Euro an. Ofner fordert die Abschaffung der Abgabe; im Interview sprach er sich zumindest für eine Halbierung aus. Zusätzlich kritisiert er die EU-Regeln zu nachhaltigen Flugkraftstoffen.
Entlastung bleibt eine politische Option
Österreich nahm im vergangenen Jahr 180 Millionen Euro aus der Ticketsteuer ein. Ofner hält es für möglich, dass zurückkehrender Flugverkehr einen Einnahmenausfall ausgleichen könnte. Höhere Staatseinnahmen durch mehr Verkehr sind dabei seine Erwartung, kein bereits nachgewiesener Effekt.
Die Prüfung durch Zehetner ist noch keine beschlossene Entlastung. Parallel fordert die FPÖ die Abschaffung der Abgabe. Für die Anlageperspektive zählt deshalb die Unterscheidung zwischen politischer Forderung und tatsächlicher Veränderung der Standortkosten.
Eine niedrigere Flugabgabe könnte Wien im Wettbewerb mit Bratislava helfen. Eine Rückkehr abgezogener Flugzeuge ist damit allerdings nicht zugesagt. Der zentrale Ansatzpunkt bleibt, den Kostennachteil zu verringern und dadurch weitere Verkehrsverlagerungen weniger attraktiv zu machen.
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