First Majestic Silver: Aktie sackt 6,3 Prozent ab
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn die Teuerung an den Finanzmärkten zurückkehrt, geraten vertraute Gewissheiten schnell ins Wanken. Eigentlich gelten Edelmetalle im Lehrbuch als Zufluchtsort gegen schwindende Kaufkraft.
Doch die Realität an den Rohstoffmärkten folgt oft einer anderen Mechanik: Überraschend hartnäckige Inflationsdaten schüren die Furcht vor längerfristig hohen Zinsen, stärken die Leitwährung und lösen bei Gold und Silber regelrechte Verkaufswellen aus.
Genau dieses Zusammenspiel bekam First Majestic Silver gestern mit voller Wucht zu spüren. Im Sog eines breiten Ausverkaufs im Edelmetallsektor sackte das Papier am Mittwoch um 6,3 Prozent auf 13,66 Euro ab.
Makroökonomischer Gegenwind trifft operative Hürden
Der Auslöser für den jüngsten Abwärtsdruck liegt in Washington. Die US-Verbraucherpreise für September stiegen im Monatsvergleich um 0,6 Prozent und lagen im Jahresvergleich um 3,7 Prozent höher – beide Werte übertrafen die Markterwartungen.
Für den Silberpreis folgte prompt die Quittung in Form eines Tagesverlusts von rund sechs Prozent. Wenn der zugrundeliegende Rohstoff derart nachgibt, reagieren die Minenbetreiber üblicherweise mit einem Hebel nach unten.
Für First Majestic kommt dieser Gegenwind zur Unzeit, da das Unternehmen ohnehin an mehreren Fronten gefordert ist. Kann sich ein Bergbaukonzern dauerhaft von solchen Zyklen abkoppeln, wenn hausgemachte Probleme die Margen belasten? Die Antwort darauf entscheidet sich nicht an den Terminmärkten, sondern in den Minenbetrieben vor Ort.
Die operative Basis präsentierte sich im dritten Quartal gedämpft. Der Konzern meldete für das dritte Quartal 2026 eine Silberförderung von 3.440.447 Unzen sowie 29.552 Unzen Gold. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Silberproduktion damit um elf Prozent.
Maßgeblich verantwortlich für diesen Rückgang war eine Arbeitsniederlegung bei First Majestic Silver, die den Betrieb am wichtigen Standort San Dimas zwölf Tage lang unterbrach. Als Reaktion auf die Produktionszahlen passte die Investmentbank H.C. Wainwright am 9. Oktober ihr Kursziel an und senkte die Vorgabe von 27,00 US-Dollar auf 25,50 US-Dollar, beließ die Einstufung jedoch auf „Buy“.
Aufräumarbeiten im Portfolio und politische Entlastung
Trotz der kurzfristigen Delle treibt das Management strategische Bereinigungen voran. Neben der Erneuerung des unternehmenseigenen Aktienrückkaufprogramms wurden im Sommer Fakten beim Portfolio geschaffen: Am 6. Juli schloss First Majestic eine Vereinbarung über den Verkauf der stillgelegten Silbermine San Martin an Flextronics Supply and Service für eine Gesamtbarsumme von 90 Millionen US-Dollar ab, aufgeteilt in eine Sofortzahlung von 2,5 Millionen US-Dollar und künftige Zahlungen von 87,5 Millionen US-Dollar.
Parallel dazu zeichnet sich bei den juristischen Altlasten eine Entspannung ab. Im Rahmen der Einigung im mexikanischen Steuerstreit verständigte sich der Konzern mit der mexikanischen Regierung grundsätzlich auf einen Rahmen zur Beilegung des Konflikts um die Tochtergesellschaft Primero Empresa Minera. Das zuständige Tribunal setzte das Schiedsverfahren nach dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen bis zum 31. Dezember 2026 aus, damit beide Seiten die Vereinbarung finalisieren können.
Geduldsprobe für Anleger
Damit trennen sich operative Sanierung und makroökonomische Bewertung derzeit deutlich voneinander. Während First Majestic behördliche Risiken abbaut und unprofitable Liegenschaften veräußert, diktieren die Inflationsdaten aus den USA den Takt an den Rohstoffbörsen.
Mit einem Abstand von 18 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt spiegelt die Aktie die Verunsicherung der Marktteilnehmer wider. Für eine nachhaltige Erholung braucht es zweierlei: Ruhe an den eigenen Förderstätten und ein Ende der Zinsangst an den Edelmetallmärkten.
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