Fincantieri Aktie: Konsortialvertrag für EPC2-Korvette geschlossen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deFincantieri hat gestern bei der Euronaval in Paris mehrere Vereinbarungen für das Marinegeschäft vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen das europäische Korvettenprogramm, neue Gemeinschaftsunternehmen und modular ausrüstbare Schiffe. Für Anleger eröffnet das zusätzliche Entwicklungs- und Exportperspektiven, sofern die Partner ihre Vereinbarungen in industrielle Programme und Aufträge überführen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Italpress ergänzen die neuen Vereinbarungen die zuvor angekündigte Absichtserklärung mit Leonardo. Gemeinsam verfolgen sie einen Ansatz: Fincantieri will Schiffsentwurf, Systemintegration und internationale Vermarktung enger mit Partnern verzahnen.
Europäische Korvette erreicht nächste Entwicklungsphase
Fincantieri, Navantia und Naval Group haben den Konsortialvertrag für EPC2 geschlossen. Diese Phase des European-Patrol-Corvette-Programms soll den vorläufigen und detaillierten Schiffsentwurf abschließen. Zugleich sollen die Partner Technologien integrieren und die Industrialisierung vorbereiten. Vertreter der europäischen Beschaffungsorganisation OCCAR waren bei der Unterzeichnung anwesend.
Vorgesehen ist eine modulare und interoperable Plattform für Patrouille, Überwachung, Eskorte und maritime Sicherheit. Die beteiligten Marinen sollen sie an ihre jeweiligen Anforderungen anpassen können. Der gemeinsame technische Ansatz kann Fincantieris Zugang zu mehreren nationalen Programmen unterstützen, sofern daraus entsprechende Beschaffungen entstehen.
Laut EU-Projektdokumentation sind für EPC2 eine Laufzeit von 48 Monaten und ein geschätztes Gesamtbudget von 288,3 Millionen Euro vorgesehen. Zum Entwicklungsumfang gehören Prototypen einer kampforientierten Mehrzweckversion und einer Variante für größere Reichweiten. Beide sollen Hafentests durchlaufen; Systeme und Komponenten sollen außerdem an Land qualifiziert werden.
Parallel haben Fincantieri und Navantia die Grundlage für ein paritätisches Gemeinschaftsunternehmen gelegt. Es soll nationale EPC-Programme und Exportchancen adressieren. Damit verbinden die Unternehmen die gemeinsame Entwicklung mit einer geplanten Struktur für die spätere Vermarktung.
Modularität als zusätzlicher Geschäftsschwerpunkt
Eine weitere gestern unterzeichnete Absichtserklärung betrifft die Zusammenarbeit mit der dänischen J.A. Solutions. Nach Angaben von Fincantieri wollen die Partner modulare, containerisierte Systeme für rekonfigurierbare Marineschiffe entwickeln. Sie planen, technische und operative Anforderungen zu prüfen und neue internationale Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.
Im Mittelpunkt stehen austauschbare Missionsmodule, etwa für Drohnen, Sensoren und Kommunikationssysteme. Fincantieri könnte sich außerdem am Kapital von J.A. Solutions beteiligen. Die Kooperation bietet damit auch eine mögliche Beteiligungsperspektive, sofern das Unternehmen diese Option verfolgt.
Passend dazu präsentierte Fincantieri gestern das Multi-Mission Modular Vessel. Das Schiff ist 50 Meter lang und hat eine Verdrängung von 500 Tonnen. Es lässt sich am Kai für unterschiedliche Aufgaben rekonfigurieren.
Die vorgesehenen Einsätze reichen von Überwachung und maritimer Sicherheit bis zum Schutz kritischer Infrastruktur und zu Unterwasseroperationen. Auch Kampfeinsätze sind vorgesehen. Fincantieri verbindet die Partnerschaft mit J.A. Solutions somit mit einem eigenen Schiffskonzept für wechselnde Missionsanforderungen.
Zusätzlich vereinbarte Fincantieri mit Republikorp über deren Tochter PT Republik Palindo Internasional die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens in Indonesien. Diese Kooperation ergänzt die europäischen Vereinbarungen um eine weitere internationale Partnerschaft.
Leonardo-Allianz soll die Umsetzung beschleunigen
Für die industrielle Umsetzung ist auch die gestärkte Zusammenarbeit mit Leonardo relevant. Das gemeinsame Unternehmen Orizzonte Sistemi Navali soll seine industrielle und kommerzielle Rolle ausbauen. Fincantieri hält daran 51 Prozent, Leonardo 49 Prozent.
OSN soll Marineplattformen und Kampfsysteme enger integrieren sowie Geschäftsmöglichkeiten in Italien und im Ausland entwickeln. Zum Portfolio gehören DDX-Zerstörer, FREMM-Fregatten, logistische Unterstützung und Offshore-Patrouillenschiffe.
Fincantieri-CEO Pierroberto Folgiero nannte als Ziel, die Bauzeit einer FREMM-Fregatte von 54 auf 36 Monate zu senken. Zugleich strebt er die Lieferung von zwei Fregatten jährlich an. Das Ziel ist noch nicht erreicht; einen Zeitplan nannte er nicht.
Für Anleger liegt der entscheidende Maßstab damit in der Umsetzung: Die Partnerschaften stärken Fincantieris Marinegeschäft, sofern daraus vermarktbare Plattformen, zusätzliche Aufträge und kürzere Lieferzeiten entstehen. EPC2 adressiert dabei die Entwicklung, die neuen Gemeinschaftsunternehmen den Marktzugang und OSN die industrielle Integration.
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