Ferrexpo Aktie: Schwarzmeer-Blockade gefährdet 20-Millionen-Lager
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 04:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der August ist da. Genau der Monat, den das Management von Ferrexpo selbst als kritische Grenze markiert hat. Ab jetzt reichen die liquiden Mittel des Eisenerzförderers nach eigener Einschätzung nicht mehr aus, um den laufenden Betrieb zu finanzieren.
Der Konzern kämpft seit Monaten mit den Folgen des Kriegs in der Ukraine. Nun spitzt sich die Lage zu einer echten Existenzfrage zu.
Der Wettlauf um 100 Millionen Dollar
Ferrexpo hat Investoren früh gewarnt: Die Kasse reicht nur bis Ende August 2026. In diese Rechnung fließt auch der Erlös aus dem Verkauf des Umschlagschiffs "Iron Destiny" ein, das dem Unternehmen im Frühjahr 7,7 Millionen Dollar einbrachte.
Um eine Insolvenz abzuwenden, arbeitet Ferrexpo mit Finanzberatern an einer Kapitalerhöhung. Das Ziel: mindestens 100 Millionen Dollar frisches Kapital. Institutionelle Investoren haben unverbindliches Interesse signalisiert, doch ob die Kapitalmaßnahme tatsächlich gelingt, steht offen.
Besonders relevant ist die Haltung von Fevamotinico. Der Großaktionär hält knapp 49 Prozent der Anteile und führt Gespräche über eine mögliche Beteiligung an der Emission. Eine finale Zusage gibt es bislang nicht.
Schwarzmeer-Route bricht zusammen
Die Dringlichkeit hat einen konkreten Auslöser: Ende Juli traf eine Drohne ein Schiff mit 55.000 Tonnen hochwertiger DR-Pellets im Schwarzen Meer. Ein Mensch starb bei dem Angriff, die Route ist seither gesperrt.
Die Folge trifft Ferrexpo doppelt hart. Zwar stieg die Produktion im zweiten Quartal 2026 um 63 Prozent auf 963.409 Tonnen. Doch der bevorzugte Exportweg über Tiefseehäfen fällt weitgehend aus.
Damit stapeln sich die Lagerbestände. Rund 189.000 Tonnen Material im Wert von etwa 20 Millionen Dollar liegen derzeit unverkäuflich auf Halde. Gleichzeitig steigen Energie- und Sicherheitskosten – eine Kombination, die den Cashflow zusätzlich belastet.
Markt bleibt skeptisch
Die Marktkapitalisierung von Ferrexpo liegt aktuell bei etwa 168 Millionen Pfund. Die Aktie notiert bei rund 28,58 Pence und hat binnen zwölf Monaten mehr als die Hälfte ihres Werts verloren.
Analysten sind sich uneinig. Einige verweisen auf den Substanzwert der Poltava-Mine und bleiben bei "Hold" oder "Neutral". Andere sehen ein akutes Insolvenzrisiko.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nun der Halbjahresbericht, der in den kommenden Tagen erwartet wird. Er muss eine tragfähige Fortführungsprognose liefern – nur so lässt sich die geplante Kapitalerhöhung glaubhaft stützen. Scheitert die Finanzierung, oder bleiben die einbehaltenen Mehrwertsteuer-Rückerstattungen der ukrainischen Behörden weiter aus, drohen eine Aussetzung der Notierung und im schlimmsten Fall die Zahlungsunfähigkeit.
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