Ferrexpo Aktie: Pzena steigt vollständig aus
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Institutioneller Investor beendet Engagement
Der Schweizer Bergbaukonzern Ferrexpo, einer der bedeutendsten Produzenten von Eisenerzpellets in der Ukraine, verliert zunehmend den Rückhalt am Kapitalmarkt. Pzena Investment Management gab Mitte August bekannt, seine Position bei dem Unternehmen vollständig aufgelöst zu haben. Als ausschlaggebenden Grund für diesen Schritt nannte die Investmentfirma in ihrem Bericht zum zweiten Quartal 2026 eine sich verschlechternde Unternehmensführung. Damit reagiert ein gewichtiger institutioneller Anleger auf die anhaltenden Spannungen innerhalb der Konzernstruktur und das schwierige politische Umfeld, in dem sich der Rohstoffproduzent bewegen muss.
Konflikt zwischen Staat und Großaktionär
Die operative und finanzielle Handlungsfähigkeit von Ferrexpo wird massiv durch einen Rechtsstreit zwischen der ukrainischen Regierung und dem Unternehmensgründer sowie größten Einzelaktionär Kostyantyn Zhevago eingeschränkt. Lucio Genovese, der interimistische Vorsitzende des Verwaltungsrats, äußerte am 16. August, dass das Unternehmen zwischen die Fronten geraten sei. Ferrexpo sieht sich laut Genovese zu Unrecht in den Disput zwischen dem Staat und seinem Hauptaktionär hineingezogen.
Dieser Konflikt hat handfeste finanzielle Auswirkungen, die die Existenz des Konzerns bedrohen. Medienberichten zufolge hält die Regierung in Kiew derzeit Mehrwertsteuererstattungen in Höhe von rund 90 Millionen US-Dollar zurück. Diese Blockade verschärft die ohnehin kritische Liquiditätslage erheblich, während das Unternehmen gleichzeitig versucht, in Verhandlungen mit den Behörden eine Lösung zu finden.
Drohende Zahlungsunfähigkeit bis Mitte September
Der zeitliche Spielraum für eine Stabilisierung der Finanzen ist extrem kurz. Berichten der Financial Times zufolge steht Ferrexpo unmittelbar vor dem Abgrund und könnte bereits in der ersten Septemberhälfte zahlungsunfähig sein, sofern keine neuen Mittel generiert werden können. Das Unternehmen bemüht sich derzeit um eine kurzfristige Finanzierung von mindestens 100 Millionen US-Dollar, um den drohenden Cash-Mangel abzuwenden. Ohne diesen Kapitalzufluss ist die Fortführung des Geschäftsbetriebs ernsthaft gefährdet.
Stillstand der Exportrouten am Schwarzen Meer
Zusätzlich zur finanziellen Notlage ist das operative Geschäft nahezu zum Erliegen gekommen. Laut Reuters musste Ferrexpo die Verschiffung von Pellets über die Seehäfen einstellen. Ursächlich hierfür waren russische Angriffe auf Häfen im Großraum Odessa, die die Exportwege über das Schwarze Meer blockierten. Bereits vor gut drei Wochen war es zu einem Produktionsstopp gekommen, nachdem zuvor ein Frachtschiff im Schwarzen Meer durch einen Drohnenangriff beschädigt worden war.
Parallel zu diesen logistischen Problemen wehrt sich eine ukrainische Tochtergesellschaft von Ferrexpo derzeit gegen eine verhängte Steuerstrafe. Am 6. August wurde bekannt, dass die Einheit offiziell Einspruch gegen diese Forderung eingelegt hat.
In Verbindung mit dem bereits vor rund zwei Wochen eingeleiteten Insolvenzverfahren gegen die Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining steht der gesamte Konzern vor einer beispiellosen Zerreißprobe aus rechtlichen, finanziellen und militärischen Risiken.
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