Ferrexpo Aktie: Handel seit 1. Mai ausgesetzt
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 03:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Eisenerzproduzent Ferrexpo befindet sich in einer kritischen Phase. Vor rund einem Monat stellte das Unternehmen seine Produktion in der Ukraine vorübergehend ein. Als Hauptgründe nennt die Gruppe die anhaltende Bedrohung durch Angriffe auf ukrainische Häfen, welche die Exportrouten über das Schwarze Meer massiv einschränken.
Zudem dient der Schritt dazu, das verbleibende Betriebskapital zu schonen. Die Zeit drängt: Ohne zusätzliche Finanzmittel reichen die liquiden Mittel laut Unternehmenseinschätzung voraussichtlich nur noch bis Mitte September 2026 aus.
Dramatischer Rückgang der Fördermengen
Die operativen Schwierigkeiten spiegeln sich deutlich in den Produktionszahlen für das erste Halbjahr 2026 wider. Wie das GMK Center berichtet, brach die Eisenerzförderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 1,55 Millionen Tonnen ein.
Auch die Herstellung von Premium-Pellets war stark rückläufig und sank um 41 Prozent auf 1,22 Millionen Tonnen. Einen Lichtblick bildeten lediglich die DR-Pellets, deren Produktion sich auf 163.200 Tonnen verdoppelte.
Dieser punktuelle Zuwachs kann den Gesamteinbruch jedoch kaum kompensieren. Die Verschlechterung der Sicherheitslage im Schwarzen Meer erschwert die Logistik zusätzlich.
Vor rund einem Monat kam es zu einem Drohnenangriff auf ein Schiff, das DR-Pellets geladen hatte. Dabei wurde ein Besatzungsmitglied getötet und die Ladung im Wert von rund 20 Millionen US-Dollar beschädigt. Angesichts solcher Vorfälle und zahlreicher Schiffskündigungen erwartet Ferrexpo auf dieser Route in absehbarer Zeit keine weiteren Lieferungen.
Finanzierungslücke und Kapitalbedarf
Die finanzielle Basis des Konzerns ist durch die Krisenlage stark geschrumpft. Laut Interfax belief sich die Netto-Cash-Position ohne Leasingverbindlichkeiten zum 30. Juni 2026 auf rund 21 Millionen US-Dollar. Zum Jahreswechsel 2025 hatte dieser Wert noch bei 47 Millionen US-Dollar gelegen. Um den Fortbestand zu sichern, treibt das Management Pläne für eine Kapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen US-Dollar voran.
Rückendeckung erhält das Unternehmen dabei von seinem größten Aktionär Fevamotinico, der einen Anteil von 49,3 Prozent hält. Der Großaktionär bestätigte seine Unterstützung für die Kapitalmaßnahme und kündigte an, für die notwendigen Beschlüsse zu stimmen.
Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Fevamotinico prozentual an der Erhöhung teilnehmen kann und das Gesamtvolumen die Marke von 100 Millionen US-Dollar nicht überschreitet. Bereits vor rund einem Monat wurde die wachsende Finanzierungslücke des Konzerns deutlich, was den Druck auf die Verhandlungen erhöht.
Handelsaussetzung und rechtliche Hürden
Erschwert wird die Lage durch den seit dem 1. Mai 2026 ausgesetzten Börsenhandel. Die britische Finanzaufsicht FCA nahm die Aktien von der offiziellen Liste, da Ferrexpo den geprüften Jahresbericht für 2025 nicht fristgerecht vorlegen konnte. Die Fertigstellung der Bilanz hängt unmittelbar von einer positiven Fortführungsprognose ab, welche wiederum den Abschluss der geplanten Finanzierung voraussetzt.
Zusätzlich belastet ein Rechtsstreit in der Ukraine die Struktur. Vor gut drei Wochen wurde bekannt, dass gegen die Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining ein Insolvenzverfahren wegen einer umstrittenen zivilrechtlichen Forderung eingeleitet wurde.
Obwohl der Oberste Gerichtshof der Ukraine noch kein abschließendes Urteil in der zugrunde liegenden Sache gefällt hat, bestellte ein lokales Gericht bereits einen Insolvenzverwalter. Am 14. Oktober 2026 plant das Unternehmen die Veröffentlichung der Produktionszahlen für das dritte Quartal, sofern die Liquidität bis zu diesem Zeitpunkt gesichert werden kann.
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