Ferrexpo Aktie: 15-Millionen-Kredit von Fevamotinico
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 21:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Darlehen von 15 Millionen Dollar mag im Vergleich zur gerade abgeschlossenen Kapitalerhöhung über rund 100 Millionen Dollar wie eine Randnotiz wirken. Für mich ist es das Gegenteil: Es ist der eigentliche Realitätscheck für Ferrexpo.
Wenn ein Unternehmen wenige Tage nach einer erfolgreichen Fundraising-Runde bereits wieder auf frisches Geld seines Großaktionärs angewiesen ist, um überhaupt Betriebskapital zu sichern, dann spricht das eine deutliche Sprache über die tatsächliche Liquiditätslage.
Ein Kredit, der die Lücke bis zur Auszahlung schließt
Fevamotinico, größter Anteilseigner des ukrainischen Eisenerzförderers, hat Ferrexpo heute ein unbesichertes Darlehen über 15 Millionen Dollar gewährt. Der Zins liegt bei 9,75 Prozent per annum, die Laufzeit beträgt zwölf Monate. Offiziell dient das Geld dazu, die Zeit bis zum vollständigen Abschluss der Anfang September angekündigten Kapitalerhöhung zu überbrücken und die am Sonntag wieder angelaufene Produktion zu finanzieren.
Aus meiner Sicht ist genau diese zeitliche Abfolge entscheidend. Erst die Ankündigung der 100-Millionen-Dollar-Fundraising am 4. September, dann die Wiederaufnahme der Produktion mit einer einzelnen Pelletlinie am Wochenende, und nun, kaum ist der Betrieb wieder angelaufen, ein zusätzlicher Kredit des Ankeraktionärs. Das liest sich weniger nach geordneter Stabilisierung als nach einem Unternehmen, das von einer Finanzierungsmaßnahme zur nächsten hangelt.
Die Kapitalerhöhung war kein Befreiungsschlag
Die Konditionen der Kapitalerhöhung selbst geben Anlass zur Vorsicht. 448,8 Millionen neue Aktien wurden zu 16,5 Pence platziert – ein Kurs, der die massive Verwässerung bestehender Anteilseigner erahnen lässt.
Dass der ukrainische Unternehmer Andriy Verevskyi mit einer Cornerstone-Zusage von 50 Millionen Dollar künftig 224,4 Millionen der neuen Aktien halten wird, zeigt zudem, wie stark sich die Eigentümerstruktur verschiebt.
Für mich ist das ein Indiz dafür, dass frisches Kapital vor allem von wenigen, eng mit dem Unternehmen verbundenen Investoren kommt – nicht von einer breiten Anlegerbasis, die von der operativen Story überzeugt ist.
Am 21. September müssen die Aktionäre der Kapitalerhöhung noch formal zustimmen. Bis dahin bleibt ein Rest an Unsicherheit bestehen, und genau diese Lücke soll der Fevamotinico-Kredit überbrücken.
Wer die Ereigniskette seit der Produktionsaussetzung Anfang August verfolgt hat – damals hatte Ferrexpo den Betrieb wegen der Bedrohungslage an ukrainischen Häfen und der eingeschränkten Exportrouten über das Schwarze Meer eingestellt –, erkennt ein Muster: Immer wieder sind es kurzfristige, teure Finanzierungsinstrumente, die das Unternehmen am Laufen halten.
Operative Aussichten bleiben von der Sicherheitslage abhängig
Positiv zu werten ist, dass die Produktion tatsächlich wieder läuft, wenn auch vorerst nur mit einer Pelletlinie. Das Unternehmen will sich beim Export auf europäische Kunden konzentrieren, um die dokumentierten Angriffe auf Häfen und Schiffe im Schwarzen Meer zu umgehen. Das ist eine nachvollziehbare strategische Anpassung, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit von einer Kriegsregion, deren Risiken sich kaum kalkulieren lassen.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis. Ein Zinssatz von 9,75 Prozent für einen zwölfmonatigen Überbrückungskredit ist kein Zeichen von Vertrauen in eine schnelle Normalisierung – es ist der Preis, den ein Unternehmen in einer angespannten Lage zahlen muss, selbst wenn der Kreditgeber der eigene Großaktionär ist.
Die Kombination aus frischer Kapitalerhöhung, zusätzlichem Kreditbedarf binnen weniger Tage und einer noch ausstehenden Aktionärsabstimmung deutet darauf hin, dass die finanzielle Stabilisierung von Ferrexpo eher fragil als solide ist.
Unterm Strich bleibt Ferrexpo für mich eine Wette auf die Sicherheitslage in der Ukraine und auf die Bereitschaft eng verbundener Großinvestoren, das Unternehmen immer wieder zu stützen. Operative Fortschritte wie die Wiederaufnahme der Produktion sind zu begrüßen, doch die Abfolge der Finanzierungsmaßnahmen zeigt, wie dünn das Polster tatsächlich ist.
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