Fabrinet Aktie: Rekordzahlen, Verkaufswelle
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 00:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fünf Quartale in Folge hat Fabrinet die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Fünf Mal in Folge haben Anleger die Aktie danach abgestraft. Auch nach den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 wiederholt sich das Muster – und das trotz eines Ausblicks, der deutlich über dem Konsens liegt.
Der Optik- und Elektronikfertiger aus Bangkok meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 1,316 Milliarden Dollar, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie auf Non-GAAP-Basis kletterte auf 4,10 Dollar und lag damit rund acht Prozent über der Analystenschätzung. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 summierte sich der Umsatz auf 4,64 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 36 Prozent.
Die Reaktion an der Börse fiel dennoch negativ aus. Nach einem Kursplus von knapp fünf Prozent im regulären Handel gab die Aktie nachbörslich rund sechs Prozent nach. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 auf Basis der letzten zwölf Monate scheinen viele Investoren die hohen Erwartungen bereits eingepreist zu sehen – zumal der Titel binnen eines Jahres bereits gut 80 Prozent zugelegt hatte.
Data Center treibt das Wachstum
Der eigentliche Wachstumsmotor sitzt inzwischen eindeutig im Rechenzentrumsgeschäft. Die Sparte Data Center erzielte im vierten Quartal 669 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 68 Prozent im Jahresvergleich, und macht mittlerweile mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Optische Transceiver, Interconnect-Produkte für Rechenzentren und Komponenten für Hochleistungsrechner treiben dieses Segment.
Die Kommunikationssparte wuchs mit 40 Prozent ebenfalls kräftig, wenn auch von einer niedrigeren Basis und mit deutlich schwächerer sequenzieller Dynamik. Automobil- und Industriegeschäft blieben mit einem einstelligen Wachstum der ruhigere Teil des Portfolios.
Vier Kunden – darunter Cisco, Nvidia, Nokia und Amazon – stehen jeweils für mindestens zehn Prozent des Jahresumsatzes, was Fabrinet einerseits breite Nachfrage, andererseits eine gewisse Konzentration beschert.
Kapazitätsausbau als nächster Hebel
Fabrinet baut seine Fertigungskapazitäten aggressiv aus. Das neue Werk „Building 10" im thailändischen Chonburi soll Anfang 2027 fertiggestellt werden und zusätzliche Umsatzkapazität von 3 bis 3,5 Milliarden Dollar schaffen.
Die übernommene Navanakorn-Anlage und der Ausbau in Santa Clara sollen jeweils weitere 200 bis 250 Millionen Dollar an Kapazität beisteuern. Management-Angaben zufolge könnte die Gesamtkapazität mittelfristig auf 12,5 bis 14 Milliarden Dollar steigen – etwa das Dreifache des aktuellen Umsatzniveaus.
Die Bilanz gibt dem Unternehmen dafür Spielraum: Mit 875,8 Millionen Dollar Cash-Bestand und ohne Schulden verfügt Fabrinet über erhebliche finanzielle Flexibilität, auch wenn die hohen Investitionen im Quartal zu leicht negativem freiem Cashflow führten.
Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Fabrinet einen Umsatz zwischen 1,375 und 1,425 Milliarden Dollar in Aussicht, verbunden mit einem Non-GAAP-Gewinn je Aktie von 4,10 bis 4,25 Dollar. Der Analystenkonsens für das Kursziel liegt bei 732 Dollar, während sieben von neun Analysten die Aktie zum Kauf empfehlen.
Ob sich die Engpässe bei Lasern, Speicherchips und ASICs, die zuletzt das Datacom-Geschäft gebremst hatten, im kommenden Quartal tatsächlich auflösen, dürfte darüber entscheiden, ob der Markt der Aktie nach fünf verkauften Rekordquartalen erstmals wieder Vertrauen schenkt.
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