Evotec, Aktie

Evotec Aktie: 3,33 Euro markiert Zehnjahrestief

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Evotec verzeichnet deutlichen Umsatzrückgang und wachsendes EBITDA-Defizit im ersten Halbjahr 2026. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren.

Evotec-Aktie erreicht Zehnjahrestief nach schwachen Halbjahreszahlen
Abstrakte Darstellung eines Biotechnologie-Labors mit düsterer, angespannter Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Evotec hat am Freitag vergangener Woche ein neues Zehnjahrestief markiert. Die Aktie rutschte auf 3,33 Euro ab, Medienberichten zufolge der tiefste Stand seit einer Dekade. Auslöser war keine neue Hiobsbotschaft, sondern die vollständige Halbjahresbilanz, die am 13. August die bereits im Juli angedeuteten Probleme in voller Härte bestätigte.

Umsatz bricht ein, Verlust weitet sich aus

Die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 fielen deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Der Konzernumsatz sank um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA rutschte von minus 1,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 42,7 Millionen Euro ab.

Evotec begründet die Verschlechterung mit einer schwachen Umwandlung von Umsatz in Ertrag sowie mit anhaltend schwierigen Finanzierungsbedingungen in der Biotech-Branche. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiterhin mit Erlösen zwischen 570 und 610 Millionen Euro und einem bereinigten EBITDA-Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro.

Der Kursrutsch auf das Zehnjahrestief fügt sich in eine Reihe belastender Nachrichten der vergangenen Wochen. Vor gut drei Wochen war bereits Aufsichtsrätin Camilla Macapili Languille aus dem Gremium ausgeschieden, die Aktie verlor seither 5,7 Prozent. Auch die im gleichen Zeitraum angekündigten neuen Kooperationen konnten den Abwärtstrend nicht stoppen – seit deren Bekanntgabe steht ein Minus von 4,7 Prozent zu Buche.

Finanzierung gesichert, Sparprogramm läuft

Um die Bilanz zu stützen, hat Evotec zuletzt zu mehreren Hebeln gegriffen. Das Unternehmen platzierte Wandelanleihen im Volumen von 116,1 Millionen Euro und monetarisierte rund 100 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf von Anteilen an der Beteiligung Tubulis. Parallel läuft das sogenannte Horizon-Transformationsprogramm, mit dem Evotec bis Ende 2027 laufende Einsparungen von rund 75 Millionen Euro pro Jahr erzielen will.

Auf der operativen Seite verweist das Unternehmen auf mehrere Fortschritte trotz der Ertragsschwäche: Zuschüsse der Gates Foundation, einen Meilensteinzahlung in Höhe von 10 Millionen US-Dollar von Bristol Myers Squibb sowie neue Kooperationen mit der US-Behörde BARDA und mit Odyssey Therapeutics.

Die Partnerschaft mit Odyssey Therapeutics, im August besiegelt, zielt auf KI-gestützte Forschung und Entwicklung in den Bereichen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen. Im Juni war zudem die Fertigungsplattform J.TRAIN für kontinuierliche Produktion gestartet, ergänzt um einen präklinischen Dermatologie-Kandidaten in Zusammenarbeit mit Almirall.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Der jüngste Kursverfall spiegelt sich in den technischen Indikatoren wider. Die Aktie notiert rund 18 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 35 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Relative-Stärke-Index von 33 signalisiert eine überverkaufte Situation, ohne dass sich daraus bislang eine Stabilisierung ableiten ließe.

Seit Jahresbeginn hat das Papier 39 Prozent an Wert verloren, auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von 46 Prozent zu Buche. Zum bisherigen 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, erreicht Mitte Juli, beträgt der Abstand nur noch wenige Prozentpunkte – die Marke rückt damit in erreichbare Nähe.

Für Anleger bleibt die Gemengelage zwiespältig: Operative Fortschritte bei Partnerschaften und Sparmaßnahmen stehen einem strukturell schwachen Umsatz- und Ertragsbild gegenüber, das die Kapitalmarktreaktion der vergangenen Wochen erklärt.

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