Evonik, Aktie

Evonik Aktie: RAG-Stiftung hält 43 Prozent Blockademacht

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein erstes Gebot über 22,15 Euro je Aktie wurde abgelehnt; Zustimmung der RAG-Stiftung und politische Vorbehalte erschweren den möglichen Zusammenschluss.

Schwarzweiß-Reportagebild von Industriearbeitern bei der Inspektion chemischer Reaktorbehälter
Evonik Industries DE000EVNK013 in einer dokumentarischen Schwarzweiß-Reportage von Arbeitern an industriellen Chemikalienbehältern Illustration mit AI erstellt.

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik steht im Mittelpunkt einer milliardenschweren Übernahmespekulation. Der Ludwigshafener Rivale BASF lotet einen Zusammenschluss beider Konzerne aus, stößt dabei jedoch auf erheblichen Widerstand.

Im Raum stand eine erste Offerte von rund 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise 22,15 Euro je Evonik-Aktie, die das Management vor gut zwei Wochen als unzureichend zurückwies. Am Aktienmarkt notierte Evonik am Freitag zum Handelsschluss bei 21,42 Euro, womit das Papier weiterhin unter dem abgelehnten Gebot verharrt.

RAG-Stiftung als Zünglein an der Waage

Den Schlüssel für das Gelingen einer Übernahme hält die RAG-Stiftung in den Händen. Als mit Abstand größte Anteilseignerin kontrolliert die Stiftung 43 Prozent der Evonik-Aktien, womit ohne ihre Zustimmung kein Eigentümerwechsel möglich ist.

Das Gesamtvermögen der Stiftung wies Ende 2025 einen Buchwert von 15,9 Milliarden Euro auf.

Die Stiftung muss die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus finanzieren und ist daher auf verlässliche Erträge angewiesen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern wiederum sucht nach strategischem Wachstum.

BASF-Chef Markus Kamieth betonte, dass eine Kombination mit einem starken Spezialchemieunternehmen Sinn ergebe. Während BASF im Jahr 2025 einen Umsatz von knapp 60 Milliarden Euro erzielte und fast 100.000 Menschen beschäftigte, kam Evonik auf rund 14 Milliarden Euro Umsatz bei gut 31.000 Beschäftigten.

Politischer Gegenwind in Nordrhein-Westfalen

Neben den Eigentümern formiert sich auch in der Politik und bei den Arbeitnehmervertretern Widerstand gegen einen Verkauf. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst stellte klar, dass die eigenständige Entwicklung von Evonik nicht gefährdet werden dürfe. Das Unternehmen beschäftigt allein im Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa 11.000 Mitarbeiter.

Zugleich äußerte sich die Gewerkschaftsseite skeptisch zu den Plänen. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IG BCE, stellte einen vollständigen Verkauf von Evonik infrage, ohne sich dabei bereits endgültig festzulegen.

Bewertungslücke und offene Fragen

Am Kapitalmarkt wird die Transaktion mit einer Marktkapitalisierung von 9,79 Milliarden Euro für Evonik weiterhin mit einem Risikoabschlag gehandelt. Sollten die Sondierungen in formelle Verhandlungen übergehen, müsste der Bieter wohl finanziell nachbessern und zudem Garantien für Standorte und Belegschaft anbieten.

Solange beide Konzerne keine offiziellen Gespräche führen, bleibt der Ausgang der Annäherungsversuche völlig offen. Die RAG-Stiftung und die Arbeitnehmervertreter dürften jeden weiteren Schritt der Ludwigshafener an harten Zugeständnissen messen.

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