Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Abweisung öffnet Tür für Nachbesserung

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Evonik hält das informelle BASF-Angebot für zu niedrig; formelle Verhandlungen haben bislang nicht begonnen.

Fotorealistisches Luftbild eines Spezialchemiewerks mit Destillationstürmen bei Sonnenuntergang
Evonik Industries DE000EVNK013 zeigt ein fotorealistisches Luftbild eines großen Spezialchemiewerks bei Abenddämmerung Illustration mit AI erstellt.

Abgewiesene Offerte bringt Anleger in Zugzwang

Die Fronten im Ringen um den Spezialchemiekonzern sind abgesteckt. Nachdem BASF Sondierungen mit der RAG-Stiftung und Evonik über eine potenzielle Akquisition am 25. September bestätigt hatte, folgte rasch die erste Absage.

Medienberichten zufolge lehnte Evonik ein informelles Angebot von rund 22,15 Euro je Aktie ab. Die Führung des Essener Konzerns stufte die Offerte als zu niedrig ein. Formelle Verhandlungen haben laut Reuters bislang nicht stattgefunden.

Anleger stehen vor einer strategischen Richtungsentscheidung. Gestern schloss das Papier bei 20,28 Euro, was einem Tagesgewinn von 2,1 Prozent entsprach. Der Markt preist damit weiterhin eine Prämie ein und setzt darauf, dass die erste Abweisung nicht das letzte Wort markiert. Für Aktionäre spitzt sich die Lage zu: Lohnt sich das Ausharren bis zu einem nachgebesserten Gebot, oder droht bei einem Abbruch der Gespräche eine spürbare Korrektur?

Der Preisabstand bestimmt die weiteren Verhandlungen

Im Zentrum der künftigen Entwicklung steht die Frage, wie viel Zugeständnis sich BASF leisten will. Die zurückgewiesene Marke von 22,15 Euro zeigt, wo die Untergrenze verläuft. Evonik hält den gebotenen Betrag für unzureichend, um dem Wert des Unternehmens gerecht zu werden.

Auch Analysten sehen den fairen Wert nahe an dieser Schwelle. Die DZ Bank stufte die Einstufung für den Titel am Montag auf „Kaufen“ ein und hob den fairen Wert von 21 auf 22 Euro an.

Gleichzeitig arbeitet Evonik an seiner operativen Zukunft. Das Unternehmen plant nach Branchenangaben für die kommenden drei Jahre eine tiefgreifende Neugliederung seiner Geschäftsaktivitäten.

Diese interne Neuausrichtung verdeutlicht, dass die Essener Führung eine tragfähige Eigenständigkeit demonstrieren will, falls BASF kein deutlich verbessertes Paket vorlegt.

Nachbesserung von BASF eröffnet weiteres Kurspotenzial

Das optimistische Szenario basiert auf der Bereitschaft der Ludwigshafener, ihre finanzielle Offerte substanziell aufzustocken. Sollte BASF die Gespräche mit der RAG-Stiftung und dem Evonik-Management vertiefen, müsste ein neues Angebot die abgewiesenen 22,15 Euro spürbar übertreffen, um mehrheitsfähig zu sein. Schon die Aufnahme formeller Verhandlungen würde dem Markt signalisieren, dass beide Seiten eine Einigung anstreben.

Zusätzlichen Rückhalt liefert die operative Neuausrichtung. Gelingt es Evonik, durch die Neugliederung die Effizienz in den nächsten drei Jahren planmäßig zu steigern, stärkt dies die Bewertung auch abseits eines Zukaufs. In Kombination mit einem verbesserten Angebot könnte sich die Kursspanne damit dauerhaft über das bisherige Ziel der DZ Bank von 22 Euro hinaus bewegen.

Ein Scheitern der Sondierungen droht Kursgewinne auszuradieren

Dem gegenüber steht das reale Risiko eines abrupten Endes der Verhandlungen. BASF hatte bei der Bestätigung der Sondierungen ausdrücklich betont, dass Fortgang und Ausgang vollkommen offen seien. Da nach Angaben von Reuters bisher keine formellen Verhandlungen aufgenommen wurden, ist die Hürde für einen geordneten Rückzug niedrig.

Sollte der DAX-Konzern vor einer Nachbesserung zurückschrecken und sein Interesse offiziell beenden, würde die Übernahmeprämie aus der Aktie weichen. In diesem Fall stünde Evonik wieder allein vor den Herausforderungen der Branche.

Die geplante dreijährige Umstrukturierung bindet Managementkapazitäten und bietet kurzfristig keinen Ersatz für eine gesicherte Barofferte. Anleger müssten sich dann auf eine Rückkehr zur rein fundamentalen Bewertung einstellen.

Die Weichenstellung für die kommenden Wochen

Solange sich der Kurs über der Marke von 20 Euro hält, dominiert die Erwartung einer zweiten Verhandlungsrunde das Geschehen. Bestätigen BASF oder die RAG-Stiftung den Eintritt in formelle Gespräche, dürfte dies die Bewertung unmittelbar in Richtung der früheren Offerte treiben.

Kippt das Szenario hingegen durch eine offizielle Absage aus Ludwigshafen, droht der rasche Rückfall auf das Niveau vor den ersten Übernahmegerüchten. Der nächste entscheidende Impuls wird von der Reaktion der RAG-Stiftung und einer möglichen Stellungnahme von BASF abhängen, ob die Sondierungen fortgeführt oder endgültig beigelegt werden.

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