EssilorLuxottica Aktie: Google-Gemini-Brillen werden zum Härtetest
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 07:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deFür EssilorLuxottica rückt nach den heute diskutierten Quartalszahlen der Wettbewerb bei KI-Brillen in den Vordergrund. Bernstein sieht im erwarteten Start von Google-Gemini-Brillen bis Ende 2026 einen ersten „Härtetest“. Das starke traditionelle Geschäft verschafft dem Konzern Rückhalt. Ob die Wearables auch unter stärkerem Konkurrenzdruck überzeugen, bleibt jedoch eine eigenständige Bewertungsfrage.
Google könnte die Bewertung herausfordern
Bernstein warnt, dass überzeugende Konkurrenzprodukte die Bewertungsmultiplikatoren von EssilorLuxottica belasten könnten. Entscheidend ist damit nicht allein, ob der Markt für intelligente Brillen wächst. Für Anleger zählt ebenso, wie gut sich das Angebot von EssilorLuxottica gegenüber neuen Produkten behauptet.
Der Markteintritt der Google-Gemini-Brillen wird bis Ende 2026 erwartet. Er ist damit ein möglicher nächster Prüfstein für die Erwartungen an das Wearables-Geschäft, aber noch kein Beleg für verlorene Marktanteile. Die Analysten verbinden ihre Warnung ausdrücklich mit der Voraussetzung, dass Wettbewerber überzeugende Produkte anbieten.
Hinzu kommt eine anspruchsvolle Vergleichsbasis: Im vierten Quartal 2025 erreichte der Wearables-Umsatz 1,1 Milliarden Euro. Bernstein verweist deshalb auf vorsichtige Aussichten für das Schlussquartal und schwierigere Vergleiche nach der erstmaligen Offenlegung der Wearables-Erlöse.
Die hohe Vorjahresbasis und mögliche neue Konkurrenz betreffen unterschiedliche Seiten der Investmentthese. Erstere erschwert den Wachstumsvergleich. Letztere könnte beeinflussen, welchen Bewertungsaufschlag Anleger dem Geschäft künftig zugestehen.
Wearables sind mehr als Smartbrillen
Im dritten Quartal 2026 erzielte der Wearables-Bereich 486 Millionen Euro Umsatz und wuchs um 20 Prozent. Neben KI-Brillen umfasst dieser Bereich auch Nuance Audio. Die ausgewiesene Wachstumsrate lässt sich deshalb nicht ausschließlich als Entwicklung der Ray-Ban-Meta-Brillen lesen.
Reuters und die Financial Times berichten zugleich von einer Verlangsamung des Ray-Ban-Smartglasses-Geschäfts gegenüber früheren Quartalen. Für die Einordnung ist diese Unterscheidung wesentlich: Weiteres Wachstum des gesamten Bereichs und ein nachlassendes Tempo einzelner Produkte schließen sich nicht aus.
Goldman Sachs setzt einen anderen Akzent. Nach Einschätzung des Hauses kompensierten die traditionellen Optik- und Medtech-Aktivitäten die Verlangsamung bei Wearables. Anzeichen für eine nachlassende Verbrauchernachfrage sehen die Analysten nicht. Damit stellt sich die Lage weniger als allgemeines Nachfrageproblem dar, sondern als unterschiedliche Dynamik innerhalb des Konzerns.
Kerngeschäft stützt den Wachstumskurs
Das traditionelle Geschäft ohne Wearables legte im dritten Quartal 2026 um mehr als 6 Prozent zu. Das Myopie-Management verzeichnete ein Wachstum von 24 Prozent. Diese Entwicklung unterstreicht, dass EssilorLuxotticas Wachstum nicht allein an intelligenten Brillen hängt.
Auch die Vertriebswege liefern Unterstützung. Der Direktvertrieb wuchs währungsbereinigt um 10,6 Prozent, Professional Solutions um 3,4 Prozent. Die vergleichbaren Filialumsätze stiegen um 6,8 Prozent.
Diese Breite ist für die Bewertung des Wettbewerbsrisikos wichtig. Sie bietet ein Gegengewicht zur Unsicherheit bei KI-Brillen, beseitigt diese aber nicht. EssilorLuxottica hat seine Ziele für die nächsten fünf Jahre bestätigt: anhaltendes Umsatzwachstum und ein insgesamt ähnlich stark steigendes bereinigtes operatives Ergebnis.
Für Anleger ergeben sich daraus zwei getrennte Maßstäbe. Das Kerngeschäft muss seine tragende Rolle bewahren. Bei Wearables wird neben dem Umsatzwachstum zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit zählen – besonders dann, wenn die erwarteten Google-Produkte tatsächlich auf den Markt kommen.
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