Dow Jones: Waller schürt Zinshoffnung
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 08:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein einziger Satz von Fed-Gouverneur Christopher Waller reicht derzeit, um die Wall Street in Bewegung zu bringen. Er sprach von ersten Anzeichen nachlassenden Inflationsdrucks und öffnete damit die Tür für eine Zinspause im September. Der Dow Jones dankte es mit einem Sprung um 1,1 Prozent auf 53.656,58 Punkte.
Die Terminmärkte reagierten prompt: Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel von rund 70 Prozent am Mittwoch auf etwa 50 Prozent. Die Zehnjahresrendite gab im Gegenzug auf 4,74 Prozent nach. Auch S&P 500 und Nasdaq zogen mit, letzterer um 1,3 Prozent.
Der Arbeitsmarkt als nächster Prüfstein
Der offizielle August-Arbeitsmarktbericht steht am Freitag an und dürfte den nächsten großen Kursimpuls liefern. Der Dow-Jones-Konsens erwartet ein Plus von lediglich 53.000 Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent — nach zwei Monaten mit Nettostellenverlust im Juni und Juli.
Citigroup-Ökonom Andrew Hollenhorst rechnet sogar mit nur 20.000 neuen Jobs, sieht darin aber kein Alarmsignal für die Fed, sondern eine Bestätigung eines "stabilen" Arbeitsmarkts.
Genau diese Lesart ist entscheidend: Fed-Vertreter wie Gouverneur Michael Barr und Waller selbst stufen die Beschäftigungslage bereits als unbedenklich ein und richten ihren Blick stärker auf die Inflation. Fallen die Zahlen schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinspausen-Hoffnung weiter nähren.
Unternehmenszahlen sorgen für Nervosität unter der Oberfläche
Trotz der breiten Markterholung fielen einzelne Reaktionen auf Quartalszahlen heftig aus. Broadcom legte trotz eines starken KI-Ausblicks für 2028 um 3,9 Prozent nach — den Anlegern reichte die Prognose nicht. Snowflake dagegen sprang um 22 Prozent, nachdem der Softwareanbieter seine Jahresprognose angehoben hatte, während Victoria's Secret trotz besserer Gewinne wegen eines verfehlten Umsatzes um rund 15 Prozent einbrach.
Ölpreise bleiben der Risikofaktor im Hintergrund. Brent-Rohöl bewegt sich bei knapp 95,50 Dollar je Barrel, nachdem es zeitweise die 97-Dollar-Marke touchiert hatte — steigende Energiepreise könnten die Inflationshoffnung schnell wieder kippen.
Mit Blick auf die am 3. November anstehenden US-Zwischenwahlen könnten optimistische Töne aus dem Weißen Haus zusätzlichen Rückenwind liefern. Die eigentliche Richtung dürfte aber der Arbeitsmarktbericht vorgeben: Bestätigt er die Erwartung eines schwachen, aber stabilen Stellenaufbaus, bleibt die Tür für eine Zinspause bei der Fed-Sitzung in zwei Wochen offen.
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