DAX: Rotation trägt die Rally
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 11:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer DAX hat die Marke von 26.000 Punkten zurückerobert, und die Gründe reichen weit über den Ausgang der US-Zwischenwahlen hinaus. Gewinner und Verlierer im Index trennt vor allem eine Frage: Wer profitiert von einem Washington, in dem die Demokraten beide Kammern kontrollieren?
Wahlausgang sortiert den Markt neu
Die Demokraten haben im Repräsentantenhaus und im Senat die Mehrheit erobert. Der Leitindex legte im Handelsverlauf kräftig zu, am frühen Nachmittag stand er 1,5 Prozent höher bei 26.252 Punkten, später zeitweise gut 2 Prozent im Plus und damit in Reichweite des Rekords. Die Unsicherheit der vergangenen Tage vor der Wahl ist verflogen.
Marktbeobachter erwarten eine disziplinierte Haushaltspolitik, die Sorgen um die US-Staatsverschuldung und hohe Anleiherenditen etwas entschärfen könnte. Ökonom Johannes Mayr von Eyb & Wallwitz hält die kurzfristigen Folgen für begrenzt. Hohe Energiepreise und anhaltende Defizite dämpften den positiven Effekt auf Staatsanleihen.
Anders sieht es bei KI-Werten aus. Händler fürchten schärfere Regulierung und eine Verlangsamung der Investitionen. Infineon, Hochtief und Siemens Energy zählten zu den schwächsten Titeln im Index, mit Abschlägen von bis zu fünf Prozent. Julius-Bär-Stratege Mathieu Racheter verweist auf mögliche Beschränkungen für Rechenzentren. Erneuerbare Energien könnten dagegen profitieren.
Berichtssaison liefert Rückenwind
Die Zahlen stützen den Index breit. Heidelberg Materials führte mit einem Plus von 8,8 Prozent. Continental gewann nach einer angehobenen Gewinnprognose 5 Prozent, Scout24 legte nach höherer Umsatzprognose 5,6 Prozent zu.
Selbst BMW hielt dem Druck stand. Der Autobauer hatte am Vorabend eine Gewinnwarnung veröffentlicht, die Aktie stieg trotzdem um 2,4 Prozent.
Im MDax stach Nordex mit einem Plus von 5,9 Prozent heraus, getragen von der Hoffnung auf mehr Rückenwind für erneuerbare Energien. Aixtron büßte dagegen 6,2 Prozent ein.
Breiter aufgestellt
Hinter dem Anstieg steht eine ausgeprägte Branchenrotation. Während hoch bewertete Technologie- und KI-Titel teils kräftig korrigierten, fingen andere Sektoren die Verluste weitgehend auf. Die Aufwärtsbewegung ruht dadurch auf einer breiteren Basis.
Zusätzlich stützt der deutsche Einkaufsmanagerindex mit Wachstumssignalen die Hoffnung auf eine Erholung. Anleger preisen damit offenbar bereits den erhofften Aufschwung 2027 ein. Sinkende Energiepreise infolge einer möglichen Entspannung im Nahen Osten wären ein weiterer Treiber.
Ein Selbstläufer ist das nicht. Kehrt die Kaufbereitschaft bei den zuletzt gebeutelten Technologiewerten zurück, könnte der DAX seinen Rekord angreifen. Bleiben Regulierungssorgen dominant, dürfte die Rotation in zyklische und energienahe Sektoren anhalten.
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