DAX: Rekordjagd im Schatten von Nvidia
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der DAX bleibt hartnäckig. Am Mittwoch reichte es zwar nur für ein mageres Plus von 0,1 Prozent auf 26.285,96 Punkte, doch die eigentliche Geschichte spielte sich zwischen den Zeilen ab. Im Tagesverlauf kletterte der Index zwischenzeitlich über 26.450 Punkte, ehe am Nachmittag die Luft raus war.
Getrieben wurde der Handel von einem ungewöhnlichen Hin und Her beim Ölpreis. Berichte über eine temporäre Wiederöffnung der Straße von Hormus ließen den Brent-Preis zunächst um rund 3 Prozent abrutschen, bevor der Rückgang fast komplett wieder aufgeholt wurde. Sinkende Energiepreise mindern Inflationssorgen — genau das lieferte dem Markt tagsüber Rückenwind, der zum Handelsende aber wieder verpuffte.
SAP bremst, Deutsche Bank glänzt
Das größte Gewicht im Index enttäuschte: SAP verlor am Ende fast 3 Prozent, nachdem die UBS ihre Kaufempfehlung strich und auf "Neutral" abstufte. Begründung der Analysten: kurzfristig fehlen sichtbare KI-Kurstreiber, auch wenn die Bewertung insgesamt als vernünftig gilt. Der Dämpfer beim Schwergewicht drückte den gesamten Index nach unten.
Auf der Gewinnerseite stand die Deutsche Bank, die auf das höchste Kursniveau seit Jahren kletterte und mehr als 4 Prozent zulegte. Auslöser waren Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, die sich für höhere Leitzinsen zur Inflationsbekämpfung aussprach — für Banken im Einlagen- und Kreditgeschäft in der Regel ein positives Signal.
Noch stärker liefen die Papiere von Heidelberg Materials, die mehr als 5 Prozent gewannen. Auch Stahlwerte wie Thyssenkrupp und Salzgitter profitierten von besseren Konjunkturdaten und zogen deutlich an, während chinesische Stahlhersteller unter hohen Rohstoffkosten und schwacher Nachfrage leiden.
Die eigentliche Prüfung steht noch bevor
Der ganze Handelstag stand im Zeichen eines einzigen Termins: Nach US-Börsenschluss legt Nvidia seine Quartalszahlen vor. Der Chipkonzern gilt als Gradmesser für die gesamte KI-Rally, die zuletzt zunehmend kritisch hinterfragt wird.
Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets brachte es auf den Punkt: Der Markt will wissen, ob die Nachfrage nach KI-Chips hoch bleibt und der milliardenschwere Ausbau der Infrastruktur im bisherigen Tempo weitergeht.
Zusätzlich sorgte der amerikanische PCE-Preisindex für Aufmerksamkeit — er fiel im Juli etwas stärker aus als erwartet, blieb aber ohne spürbaren Einfluss auf den DAX. Bemerkenswerter für die Geldpolitik dürfte der Freitag werden, wenn der neue Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole spricht. Von seiner Rede erhoffen sich Anleger neue Signale zur Zinspolitik.
Das Allzeithoch von rund 26.574 Punkten, aufgestellt am 12. August auf Intraday-Basis, bleibt in Reichweite. Ob der Sprung gelingt, hängt nun maßgeblich davon ab, wie der Markt die Nvidia-Zahlen und die Fed-Signale aus Jackson Hole verdaut.
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