DAX: Ölpreis und EZB drücken auf die Stimmung
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 06:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Belastungsfaktoren, ein Ergebnis: Der DAX ist am Donnerstag ins Minus gerutscht. Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen erhöht, gleichzeitig treibt der Ölpreis die Inflationssorgen weiter an. Beides zusammen sorgte für den schwächsten Handelstag seit Wochen.
Zweite Zinserhöhung des Jahres trifft auf Ölpreisschock
Die EZB hob den Einlagensatz von 2,25 auf 2,5 Prozent an – bereits die zweite Erhöhung in diesem Jahr, nach dem ersten Schritt im Juni. Der Markt hatte die Entscheidung erwartet, entsprechend verhalten fiel die erste Reaktion aus. Brisanter war der Ausblick: Die Notenbank schraubte ihre Inflationsprognosen für die kommenden Jahre nach oben, EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach von anhaltendem Preisdruck durch den Nahost-Konflikt.
Parallel dazu kletterte der Ölpreis weiter. Brent überschritt zeitweise die Marke von 105 Dollar je Fass, auch WTI knackte erstmals seit Monaten die 100-Dollar-Schwelle.
Grund ist die Eskalation im Jemen – die Huthi-Miliz hat nach Berichten aus jemenitischen Militärkreisen die Hafenstadt Mokka eingenommen und rückt damit näher an die für den globalen Öltransport wichtige Meerenge Bab al-Mandab heran. Hinzu kommen Signale aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, wonach sich der Iran-Krieg noch lange hinziehen könnte.
Der DAX schloss um 0,84 Prozent tiefer bei 25.361 Punkten, nachdem er am Tagestief notiert hatte. Der MDAX traf es mit einem Minus von 1,50 Prozent noch härter. Auch die Anleihemärkte reagierten: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte auf ein neues Mehrjahreshoch, der Bund-Future gab spürbar nach.
Zinssensible Branchen unter Druck
Technologie- und Immobilienwerte gehörten europaweit zu den Hauptverlierern, während Versicherer von den höheren Zinsen profitierten. SAP verlor im DAX rund 2,8 Prozent und blieb damit auch an diesem Handelstag der volatile Wert der vergangenen Wochen.
Bei Industriemetallen und Stahl ging es deutlich stärker abwärts – Aurubis verlor über fünf Prozent, Salzgitter mehr als sieben Prozent, belastet von Konjunktursorgen und der Unsicherheit um bereits eingepreiste US-Zölle.
Adidas geriet nach einer negativen Einschätzung von Morgan Stanley unter Druck. Die Analysten senkten ihre Gewinnschätzungen für 2026 um acht Prozent, nachdem zuvor schon Wettbewerber wie JD Sports und Lululemon schwache Zahlen vorgelegt hatten. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte Mai.
Der DAX bleibt damit unter seiner 50-Tage-Linie und rund zwei Prozent unter dem Wochenhoch. Vom Allzeithoch bei 26.618 Punkten, das der Index Ende August erreicht hatte, trennen ihn inzwischen mehr als 1.200 Punkte. Am Freitag stehen die US-Verbraucherpreise an – nach dem Ölpreisschub dürfte deren Ausfall über die kurzfristige Zinserwartung mitentscheiden.
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