DAX, Gift-Cocktail

DAX: Gift-Cocktail aus Öl und Zinsen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 18:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAX rutscht wegen Nahost-Eskalation und teurerem Öl ab, während Anleger vor dem EZB-Entscheid höhere Inflation und Zinsen einpreisen.

DAX unter Druck: Ölpreis und EZB-Zinsentscheid belasten Aktien
Ein einsamer Börsenhändler an einem dunklen Arbeitsplatz in einer modernen Frankfurter Börsenhalle bei gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein Angriff auf iranische Tanker, ein Gegenschlag auf Jordanien, und der Ölpreis springt über die 100-Dollar-Marke. Für den DAX bedeutet das den schwächsten Handelstag seit März — die Anleger flüchten aus Aktien, noch bevor die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihre Zinsentscheidung verkündet.

Der Leitindex fiel am Mittwoch um bis zu 1,7 Prozent auf 25.560 Punkte, den tiefsten Stand seit Ende Juli. Damit rückt nicht nur die runde 26.000-Punkte-Marke in weite Ferne — auch das Allzeithoch vom 28. August bei 26.618 Zählern wirkt inzwischen wie aus einer anderen Marktphase. Der EuroStoxx 50 verlor mit rund zwei Prozent noch deutlicher, der MDAX gab 1,4 Prozent ab.

Öl als Belastungsfaktor Nummer eins

Auslöser der Verkaufswelle ist die Eskalation im Nahen Osten. Nach US-Angriffen auf iranische Tanker in der Straße von Hormus und einem Raketenangriff des Iran auf Jordanien kletterte Brent-Rohöl über 100 US-Dollar je Fass — ein Plus von rund 64 Prozent seit Jahresbeginn. Investoren preisen damit nicht nur höhere Energiekosten ein, sondern auch länger anhaltenden Inflationsdruck, der die Zinswende der Notenbanken erschwert.

Besonders hart trifft es Banken-, Konjunktur- und Konsumwerte, die als Hauptleidtragende steigender Energiepreise gelten — einzelne Branchenindizes verloren bis zu 2,4 Prozent. Rheinmetall gab nach den Kursgewinnen der Vortage 3,2 Prozent ab, während Energie- und Versorgertitel als Profiteure leicht zulegten. Auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zog auf über 3,40 Prozent an, ein Signal für wachsende Nervosität am Anleihemarkt.

Einzelwerte zwischen Abstufung und Sonderfaktoren

Die Deutsche Börse verlor 2,5 Prozent, nachdem sie eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro angekündigt hatte — institutionelle Anleger sichern solche Emissionen häufig durch Verkäufe der zugrundeliegenden Aktie ab.

Beiersdorf gab nach einer Abstufung der Deutschen Bank von „Halten" auf „Verkaufen" um rund 1,9 Prozent nach. Gegen den Trend gewann SAP über zwei Prozent und machte damit einen Teil der Vortagesverluste wett, die durch Sorgen um KI-Konkurrenz für die Softwarebranche ausgelöst worden waren.

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf Donnerstag. Die EZB dürfte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent anheben — das gilt als weitgehend eingepreist. Entscheidender als der Zinsschritt selbst dürfte der Ausblick von EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden, während parallel die US-Inflationsdaten am Donnerstag und Freitag zeigen müssen, wie stark der Ölpreissprung bereits auf die Teuerung durchschlägt.

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