Daimler Truck Aktie: Frist statt Verbot
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 16:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kurz vor der IAA Transportation schlägt Daimler Truck gemeinsam mit sechs weiteren europäischen Lkw- und Busherstellern Alarm. DAF Trucks, Iveco, Scania und Co. fordern von der EU, die verschärften CO?-Ziele für 2030 um drei Jahre zu verschieben. Der Grund: Die Infrastruktur hält mit dem eigenen Tempo nicht mit.
Die Zahlen zeigen das Dilemma deutlich. Nach EU-Vorgaben müssen die durchschnittlichen Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge ab 2030 um 45 Prozent sinken, bis 2040 sogar um 90 Prozent. Aktuell sind aber nur 2,4 Prozent der neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeuge in Europa vollständig emissionsfrei. Um das Ziel zu erreichen, müsste künftig etwa jeder dritte verkaufte Lkw ohne Verbrennungsmotor auskommen.
Ladeinfrastruktur bremst die Wende
Das Wachstum bei Elektro-Lkw ist zwar sichtbar: Im ersten Halbjahr 2026 legten die Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Lkw in der EU um 47,7 Prozent zu, der Marktanteil kletterte auf 4,8 Prozent.
Diesel dominiert mit über 92 Prozent aber weiterhin klar. Der Herstellerverband ACEA rechnet vor, dass bis 2030 rund 50.000 öffentliche Ladepunkte nötig wären – aktuell existieren gerade einmal etwa 1.100 mit ausreichender Leistung für schwere Lkw.
Die Hersteller wollen deshalb nicht die Elektrifizierung stoppen, sondern schnelleren Netzausbau, mehr Tempo bei Ladestationen und eine stärkere CO?-Bepreisung von Diesel erreichen. Für Daimler Truck steht dabei viel auf dem Spiel: Der Konzern investiert parallel Milliarden in Batterien, Software und neue Plattformen, während chinesische Anbieter wie Pony.ai und GAC mit elektrischen Lkw-Konzepten zunehmend nach Europa drängen.
Wirtschaftlich ist die Lage widersprüchlicher, als der Protest vermuten lässt. E-Lkw kosten laut dem Straßentransportverband IRU in der Anschaffung bis zu dreimal so viel wie Dieselmodelle. Im laufenden Betrieb kann sich das Bild aber drehen: In Deutschland profitieren batterieelektrische Lkw von der Befreiung von Lkw-Maut und CO?-Bepreisung, was die Gesamtkosten je nach Einsatzprofil bereits unter das Dieselniveau drücken kann.
Die Auseinandersetzung um die Fristverlängerung dürfte die IAA Transportation in dieser Woche prägen. Für Daimler Truck geht es dabei nicht nur um regulatorischen Spielraum, sondern auch darum, den technologischen Vorsprung gegenüber neuen Wettbewerbern aus Asien zu behaupten.
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