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D-Wave Quantum Aktie: Finanzchef Markovich tritt ab

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 21:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

D-Wave Quantum verliert seinen Finanzchef, meldet höhere Verluste und weniger Umsatz. Kommerzielle Kunden und Buchungen legen dennoch zu.

D-Wave Quantum: Finanzchef geht, Verluste steigen und Aktie fällt
Abstrakte Darstellung von Quantencomputer-Technologie in einem dunklen, professionellen Serverraum. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Unternehmen, bei denen sich der Wert einer Aktie fast ausschließlich aus der Zukunft speist – aus Versprechen, aus Patenten, aus der Vorstellung, was möglich sein könnte, wenn eine Technologie erst einmal reif ist. D-Wave Quantum ist so ein Fall, und die vergangenen Wochen haben schmerzhaft gezeigt, wie fragil diese Wette sein kann, wenn die Gegenwart nicht mitzieht.

Am 25. August verkündete das Unternehmen, dass Finanzchef John Markovich zum 2. September zurücktritt. Der Rücktritt liegt damit heute effektiv vor. Markovich hatte das Unternehmen durch den Börsengang 2022 geführt, über 900 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt und die Finanzlage sichtbar verbessert.

Sein Nachfolger, kommissarisch zunächst, ist Greg Golkov, seit Mai 2023 als Senior Vice President of Finance im Haus und mit über 25 Jahren Erfahrung in Finanz- und Rechnungswesen börsennotierter Technologieunternehmen ausgestattet. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie fiel am Tag der Ankündigung um 8 Prozent, binnen der Woche bis zum 28. August summierte sich der Rückgang auf 16,6 Prozent.

Ein Wechsel an der Spitze trifft auf eine ohnehin nervöse Bilanz

Der Personalwechsel wäre für sich genommen schon Grund genug für Unruhe. Doch er trifft auf eine Gesellschaft, die gerade erst ihre Zahlen für das zweite Quartal 2026 offengelegt hat – und die lesen sich wie ein Lehrstück über den Unterschied zwischen technologischem Fortschritt und wirtschaftlicher Reife.

Der Umsatz lag mit 3,1 Millionen Dollar praktisch auf Vorjahresniveau, während der bereinigte EBITDA-Verlust um 85 Prozent auf 37,1 Millionen Dollar zulegte. Für das erste Halbjahr insgesamt brach der Umsatz um 67 Prozent auf 5,9 Millionen Dollar ein, weil im Vorjahreszeitraum ein einmaliger Verkauf eines Annealing-Systems über 13,7 Millionen Dollar zu Buche geschlagen hatte.

Der Halbjahresverlust auf EBITDA-Basis wuchs auf 69,9 Millionen Dollar, ein Plus von 43,8 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr, getrieben von höheren Investitionen in Forschung und Vertrieb.

Was bleibt, ist eine Cash-Position von 546,2 Millionen Dollar zum 30. Juni – immerhin ein Polster, das um ein Drittel geschrumpft ist, größtenteils wegen der Barzahlung für die Übernahme von Quantum Circuits im Januar.

Man kann das als Kriegskasse für den langen Atem lesen, den Quantencomputing offenbar braucht. Man kann es aber auch als Beleg dafür lesen, wie viel Kapital diese Branche derzeit verbrennt, ohne dass der Umsatz in vergleichbarem Tempo mitwächst.

Wachstum in der Kundenstruktur, Schwäche in der Kasse

Es gibt durchaus Silberstreifen. Der Anteil kommerzieller Kunden am Umsatz kletterte im ersten Halbjahr auf 67,7 Prozent, verglichen mit 16,0 Prozent ein Jahr zuvor. Kunden aus dem Forbes-Global-2000-Segment steuerten im zweiten Quartal 47,7 Prozent des Umsatzes bei, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Die Buchungen sprangen um 59 Prozent auf 2,1 Millionen Dollar. Das Management hält an der Prognose fest, im laufenden Jahr zwei Systeme auszuliefern, und rechnet damit, dass der Löwenanteil des Jahresumsatzes erst im vierten Quartal anfällt – ein Muster, das für margenschwaches Projektgeschäft typisch ist und Anleger zwingt, auf einen einzigen Abschnitt des Jahres zu vertrauen.

Mehrere Analysehäuser haben im August ihre Kursziele nach unten korrigiert: Canaccord von 45 auf 41 Dollar, Jefferies von 41 auf 35 Dollar, auch Roth Capital reduzierte seine Marke mit Verweis auf Bewertung und Tempo der operativen Umsetzung. Das war die Reaktion auf genau jene Zahlen, die auch den Kurs belasten.

Der Aktienkurs steht bei 14,18 Euro, ein Minus von 37 Prozent seit Jahresbeginn und weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro im Oktober. Die Volatilität von 107 Prozent auf Jahresbasis zeigt, wie nervös der Markt diese Geschichte verfolgt.

Für ein Unternehmen, das sich selbst als Technologieführer positioniert – kürzlich als eines von nur zwei Unternehmen in der Leaders-Kategorie einer Marktanalyse zum Quantencomputing eingestuft – bleibt die eigentliche Frage: Wie lange lässt sich technologisches Prestige noch von belastbarem Umsatzwachstum trennen, bevor der Markt die Geduld verliert?

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