D-Wave, Quantum

D-Wave Quantum Aktie: 65,3% weniger Netzlast bei DOCOMO

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 11:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

D-Wave steigert Buchungen und gewinnt mehr Konzernkunden, während Umsatz und Marge stagnieren und der CFO-Wechsel Anleger verunsichert.

D-Wave zwischen wachsendem Auftragsbuch und schwacher Aktie
Abstrakte Darstellung von Quantencomputing-Knoten und effizienten Datennetzwerken in einer technologischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Manchmal sagt eine Zahl aus dem Mobilfunknetz mehr über den Zustand eines Quantencomputer-Unternehmens als jede Bilanz. Als NTT DOCOMO Mitte August eine zweite produktive Anwendung mit D-Wave-Technologie in Betrieb nahm, sank die Zahl der Standortregistrierungssignale zur Spitzenlast um 65,3 Prozent, die Paging-Signale um 7,0 Prozent. Das ist keine Marketing-Folie, das ist Netzwerklast, die tatsächlich sinkt. Genau an diesem Punkt trennt sich bei Quantencomputing-Aktien die Erzählung vom Ertrag – und D-Wave steht mitten in diesem Spannungsfeld.

Die Aktie hat einen ruppigen Sommer hinter sich. Am Freitag schloss das Papier bei 14,30 Euro, ein Fünftel unter dem Niveau vor 30 Tagen und 37 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro, erreicht im Oktober, trennen die Aktie inzwischen 65 Prozent.

Wer nur auf diese Zahlen schaut, sieht eine Branche im Ausverkauf. Wer genauer hinschaut, sieht ein Unternehmen, das zwischen zwei Geschwindigkeiten pendelt: der Geschwindigkeit echter Kundenprojekte und der Geschwindigkeit der Kapitalmärkte, die deutlich schneller urteilen.

Ein Auftragsbuch, das wächst, während der Umsatz stagniert

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal zeigen genau diese Diskrepanz. Der Umsatz lag bei 3,1 Millionen US-Dollar, praktisch unverändert gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Bruttomarge fiel wegen gestiegener Personalkosten von 63,8 auf 55,4 Prozent. Auf den ersten Blick ernüchternd für ein Unternehmen, dessen Bewertung auf Zukunftsfantasie beruht.

Doch die Buchungen – also das, was künftigen Umsatz ankündigt – legten um 59 Prozent zu, auf 2,1 Millionen US-Dollar, bei einer durchschnittlichen Auftragsgröße, die um mehr als 87 Prozent stieg. Der Anteil kommerzieller Kunden am Umsatz kletterte von 45,1 auf 62,4 Prozent, der Anteil der Forbes-Global-2000-Konzerne von 20,4 auf 47,7 Prozent.

Das ist die eigentliche Kurve, die man bei D-Wave beobachten muss: Nicht der Quartalsumsatz, der bei einem Unternehmen dieser Größe noch von einzelnen Systemverkäufen abhängt, sondern die Frage, ob sich die Kundenbasis von Forschungsprojekten zu zahlenden Konzernen verschiebt.

Für das vierte Quartal plant das Management zwei Auslieferungen von Annealing-Systemen, wobei die Umsatzrealisierung wohl teilweise erst 2027 greift. Pro System kalkuliert D-Wave zwischen 20 und 40 Millionen US-Dollar – bei erwarteten zwei bis drei Verkäufen pro Jahr wird schnell klar, wie kleinteilig und volatil dieses Geschäftsmodell noch ist.

Führungswechsel als Belastungsprobe

Der Rücktritt von Finanzchef John Markovich zum vergangenen Mittwoch, nach fünf Jahren und mehr als 900 Millionen US-Dollar begleiteter Kapitalaufnahmen, fällt in eine Phase, in der Anleger ohnehin schon nervös sind. Dass mit Greg Golkov ein langjähriger Finanzmanager aus dem eigenen Haus kommissarisch übernimmt, dürfte die Kontinuität wahren – ersetzt aber nicht die Signalwirkung eines CFO-Abgangs mitten im Umbau des Geschäftsmodells.

Hinzu kommt ein Insiderverhalten, das man nicht ignorieren sollte, ohne es zu dramatisieren: In den vergangenen zwölf Monaten haben Führungskräfte und Insider netto 108 Millionen US-Dollar mehr verkauft als gekauft.

Allein im Juni wurden fünf Transaktionen im Volumen von 5,8 Millionen US-Dollar gemeldet, darunter drei Aktienverkäufe. Das muss kein Misstrauensvotum sein – bei einem Unternehmen, das 2022 an die Börse ging und dessen Führungskräfte entsprechend Optionen aus der Gründungsphase halten, ist ein gewisser Verkaufsdruck normal.

Doch es passt ins Bild einer Aktie, die technisch angeschlagen wirkt: Der RSI von 39,4 signalisiert keine Überverkauft-Panik, aber auch keine Stärke, und mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 89 Prozent bleibt das Papier ein Fall für Anleger mit robusten Nerven.

Die eigentliche Frage für den Herbst

Bleibt die Frage, die den gesamten Sektor umtreibt: Reicht ein wachsendes Auftragsbuch mit Konzernkunden aus, um die extreme Bewertungsprämie zu rechtfertigen, die Quantencomputing-Aktien seit Jahren mit sich tragen? D-Wave selbst liefert mit dem DOCOMO-Projekt ein Argument dafür, dass die Technologie im Produktivbetrieb ankommt, nicht nur im Labor.

Die nächsten Quartalszahlen, angesetzt für den 5. November, werden zeigen, ob aus den avisierten Systemauslieferungen im vierten Quartal tatsächlich Umsatz wird – oder ob sich die Verschiebung in Richtung 2027 fortsetzt, während der Markt längst ungeduldig geworden ist.

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