D-Wave Quantum Aktie: 15 Millionen neue Aktien
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 20:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die milliardenschwere Technologieförderung des US-Handelsministeriums hat für D-Wave Quantum eine Kehrseite: Der Staat lässt sich seine Unterstützung mit Firmenanteilen bezahlen. Rigetti und D-Wave gaben zusammen fast 15 Millionen neue Aktien aus, um die Regierung als Minderheitsaktionär zu beteiligen. Für Anleger bedeutet das zusätzliche Verwässerung – ein Aspekt, der in der Euphorie über die CHIPS-Act-Millionen zunächst unterging.
Das US-Handelsministerium hatte am Dienstag die Förderzusagen für D-Wave, Rigetti Computing und Quantinuum finalisiert, je bis zu 100 Millionen US-Dollar, insgesamt 300 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS Act.
Im Gegenzug erhält Washington Minderheitsbeteiligungen an allen drei Unternehmen. Der überwiegende Teil der Mittel ist an das Erreichen konkreter Meilensteine geknüpft – die Firmen bekommen das Geld also nicht auf einen Schlag, sondern müssen sich technische Fortschritte erst verdienen.
Konkurrenz erhält identische Konditionen
Bemerkenswert an der Vereinbarung ist die Gleichbehandlung: Rigetti und Quantinuum profitieren von exakt denselben Fördersummen wie D-Wave. Damit verschafft sich keiner der drei Anbieter einen strukturellen Vorteil gegenüber den anderen – der Wettbewerb um technologische Meilensteine und kommerzielle Anwendungen bleibt offen.
Quantinuum nutzt seine Mittel für den Aufbau einer Trapped-Ion-Fertigung mit GlobalFoundries und dem Zulieferer Monarch Quantum, mit dem Ziel, die Zwei-Qubit-Gate-Fidelität von aktuell 99,92 Prozent weiter in Richtung 99,999 Prozent zu treiben.
Für D-Wave selbst ist der Vorgang die jüngste Episode in einer Serie staatlicher Eingriffe in die Kapitalstruktur der Quantenbranche. Bereits im Mai hatte das Handelsministerium Absichtserklärungen über gut zwei Milliarden US-Dollar für insgesamt neun Quantencomputing-Firmen angekündigt, wiederum gegen Minderheitsbeteiligungen. Das Muster ist damit etabliert: Wer staatliche Fördermittel will, muss dem Staat einen Anteil am Unternehmen einräumen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Nachricht bislang keine nachhaltige Euphorie ausgelöst. Die Aktie notiert aktuell bei 14,58 Euro und damit rund 22 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 18,62 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend trotz der Fördermilliarden intakt bleibt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent zu Buche, nachdem das Papier im Oktober noch bei 40,41 Euro gehandelt wurde.
Die Verwässerung durch neue Aktien dürfte diesen Trend nicht umkehren. Zwar verschafft die Förderung D-Wave frischen Zugang zu Entwicklungskapital, das Unternehmen zahlt dafür aber einen Preis, der über die reine Meilenstein-Bindung hinausgeht: Jede neu ausgegebene Aktie verringert den relativen Anteil bestehender Investoren am Unternehmen.
Für ein Unternehmen, dessen Umsatz zuletzt im niedrigen einstelligen Millionenbereich lag, während der Cashbestand mehrere hundert Millionen US-Dollar umfasst, ist die Frage entscheidend, ob die staatliche Beteiligung tatsächlich den Weg zu kommerziell tragfähigen Quantencomputern beschleunigt – oder lediglich die Kapitalstruktur zulasten der Altaktionäre verschiebt.
Der politische Rückenwind für die Branche bleibt unterdessen ungebrochen: Auch das Pentagon und die DARPA verfolgen eigene Programme zur Förderung industriell nutzbarer Quantencomputer, mit einem Zielhorizont bis 2033. Für D-Wave heißt das, dass staatliche Aufträge und Beteiligungen auf absehbare Zeit ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells bleiben dürften – mit allen Chancen und Verwässerungsrisiken, die das mit sich bringt.
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