CoreWeave Aktie: UBS kappt Kursziel, bleibt bei Kauf
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deUBS hält CoreWeave weiter für einen Kauf, stellt Anleger aber auf eine längere Vertrauenskrise ein. Die Bank senkte heute ihr Kursziel von 120 auf 105 US-Dollar. Entscheidend sind aus ihrer Sicht die Finanzierung des Wachstums und das angeschlagene Kreditprofil – nicht eine neu erkannte Schwäche des Geschäftsmodells.
Damit trennt UBS zwei Fragen, die für Anleger derzeit eng zusammenhängen: Wie belastbar ist die Nachfrage nach CoreWeaves Rechenleistung? Und zu welchen Bedingungen kann das Unternehmen die dafür benötigte Infrastruktur finanzieren? Eine positive Antwort auf die erste Frage löst die zweite noch nicht.
UBS erwartet keine schnelle Entspannung
Bei verbleibenden vertraglichen Leistungsverpflichtungen von rund 129 Mrd. US-Dollar benötigt CoreWeave nach Einschätzung von UBS voraussichtlich etwa 20 Mrd. US-Dollar zusätzliche Finanzierung. Die Wiederherstellung des Marktvertrauens könnte nach Ansicht der Bank mehrere Quartale dauern.
UBS überprüft deshalb das Kreditprofil erneut. Analyst Karl Keirstead sieht die Nachfrage, die Preise für Grafikprozessoren und den Ausbau zusätzlicher Dienstleistungen weiterhin als Stützen. Hohe Investitionen, negativer freier Cashflow und Schulden machen CoreWeave aus seiner Sicht allerdings anfällig für höhere Zinsen.
Das beibehaltene Kaufurteil ist somit kein Signal für eine kurzfristige Entwarnung. UBS hält an der positiven Einschätzung fest, berücksichtigt mit dem niedrigeren Kursziel aber größere Finanzierungsrisiken und eine schwächere Anlegerstimmung. Für Aktionäre zählt daher nicht allein das Wachstumspotenzial, sondern auch dessen Finanzierbarkeit.
Morgan Stanley sieht denselben Engpass
Morgan Stanley senkte gestern sein Kursziel von 99 auf 70 US-Dollar. Die Bank sieht den nächsten Engpass ebenfalls bei der Finanzierung und nicht bei der KI-Nachfrage. Steigende Unsicherheit verringere die Planbarkeit des weiteren Kapazitätsausbaus.
Dabei erkennt Morgan Stanley ausdrücklich die bisherige Umsetzung und CoreWeaves führende Position im Neocloud-Sektor an. Die operative Einschätzung fällt also günstiger aus als die Beurteilung der Finanzierung. Höhere Kapitalkosten könnten den Ausbau bremsen oder eine Kapitalaufnahme mit Verwässerung für bestehende Aktionäre erforderlich machen.
Für den geplanten Ausbau bis Ende 2027 könnte CoreWeave laut Morgan Stanley zusätzliche Schulden von 24–37 Mrd. US-Dollar benötigen. Die Qualität der Kundenverträge beeinflusse dabei die Kreditvergabe.
Die Schätzungen der beiden Banken lassen sich nicht ohne Weiteres gleichsetzen: UBS bezieht sich auf die Finanzierung vertraglicher Nachfrage. Morgan Stanley betrachtet den Kapitalbedarf für einen bestimmten Ausbaupfad. Gemeinsam ist beiden Einschätzungen, dass starke Nachfrage allein den Zugang zu ausreichend Kapital nicht garantiert.
Aufträge sind noch keine Liquidität
CoreWeaves Auftragsbestand eröffnet Wachstumsmöglichkeiten, ist aber kein bereits vereinnahmtes Geld. Zwischen Vertragsabschluss und Umsatz stehen Investitionen in die benötigten Kapazitäten. Genau diese Vorfinanzierung rückt bei den Analysten in den Mittelpunkt.
Für Anleger liegt darin die entscheidende Einschränkung der positiven Nachfragegeschichte. Neue Kundenverträge schaffen nicht automatisch finanzielle Entlastung, wenn ihre Erfüllung zunächst weitere Ausgaben verlangt.
UBS bleibt deshalb trotz gesenkten Kursziels optimistisch, erwartet jedoch keinen schnellen Vertrauensaufbau. Der nächste wichtige Fortschritt wäre eine Finanzierung, die den Ausbau ermöglicht, ohne die Belastung für bestehende Aktionäre unverhältnismäßig zu erhöhen.
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