Commerzbank, Aktie

Commerzbank Aktie: Gewinnrekord, Machtfrage offen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Überschuss erreicht nach neun Monaten 2,7 Milliarden Euro; zugleich erwartet die Bank niedrigere Zinserträge und wartet auf Unicredit-Genehmigungen.
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Rekordgewinn, aber Kursminus: Die Commerzbank hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr verdient als im gesamten Vorjahr. Die Anleger honorierten das nicht. Der Grund liegt zum einen in einer leichten Enttäuschung im dritten Quartal, zum anderen im Übernahmepoker mit Unicredit.

Starke Zahlen, knapp unter den Erwartungen

Im dritten Quartal stieg der Nettogewinn um gut 45 Prozent auf 859 Millionen Euro. Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet, auch die Erträge lagen leicht unter dem Konsens. Nach neun Monaten steht ein Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro, das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte.

Das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Gewinn hält der Vorstand. Beim Zinsüberschuss nimmt er dagegen etwas Tempo raus: Er soll 2026 bei rund 8,5 Milliarden Euro landen, etwa 100 Millionen weniger als zuletzt angepeilt.

Als Ursache gilt der schärfere Wettbewerb um Einlagen. Rivalen locken mit hohen Zinsen, die Commerzbank ging diesen Weg bewusst nicht mit. Im deutschen Privatkundengeschäft sollen im Quartal rund drei Milliarden Euro abgeflossen sein.

RBC-Analystin Anke Reingen nannte die Geschäftstrends im dritten Quartal enttäuschend. Die Aktie fiel am Vormittag um rund 2 Prozent auf 38,96 Euro und zählte zu den schwächsten Dax-Werten. Seit Jahresbeginn liegt sie dennoch knapp acht Prozent im Plus.

Unicredit rückt näher

Der eigentliche Treiber bleibt die Italienerin Unicredit. Sie kontrolliert bereits knapp die Hälfte der Anteile und wartet auf die ausstehenden Genehmigungen. Die Commerzbank rechnet damit im vierten Quartal oder spätestens Anfang 2027. In einer Präsentation heißt es, die Vorbereitungen für die Konsolidierung hätten begonnen.

Bemerkenswert ist der Tonwechsel an der Spitze. Bettina Orlopp wehrte sich fast zwei Jahre gegen die Übernahme. Nun sagt sie, gemeinsam mit Unicredit lasse sich Wert schaffen, etwa im Einkauf, bei IT und Cybersecurity, im Vertrieb und bei Produktplattformen. Den Beschäftigten versicherte sie in einem Video, für Kunden ändere sich im Tagesgeschäft zunächst nichts.

Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt um Vertrauen und betont, man bündle die Stärken nicht, um weniger für deutsche Unternehmen zu leisten. Er will allerdings das Auslandsnetz stutzen und die Führung neu besetzen. Der Bund hält gut 13 Prozent und pocht darauf, dass die Bank den Mittelstand weiter finanziert.

Sparkurs läuft parallel

Die Commerzbank baut selbst Stellen ab. Zu den bis Ende 2027 geplanten 3.900 Vollzeitstellen kommen seit Mai rund 3.000 weitere bis 2030. Etwa 1.800 Beschäftigte haben individuelle Übergangsvereinbarungen getroffen.

Die Analystenziele bewegen sich zwischen 39 und 42 Euro, die Aktie notiert also nahe der Spanne. Spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027, auf der die Führung neu aufgestellt werden könnte.

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