Coinbase Aktie: Lobbyschlacht um Krypto-Gesetz
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 12:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Kampf um ein zentrales US-Kryptogesetz hat die Sommerpause des Kongresses erreicht – und Coinbase steckt mittendrin. Über die Lobbygruppe Stand With Crypto, die das Unternehmen unterstützt, läuft derzeit eine breit angelegte Kampagne in den Heimatstaaten von US-Senatoren. Ziel ist eine entscheidende Verfahrensabstimmung am 15. September über den sogenannten Clarity Act.
Das Gesetz soll festlegen, welche Token als Wertpapiere gelten und welche als Rohstoffe – und damit klären, welche Behörde jeweils zuständig ist. Für Coinbase als größte US-Handelsplattform für Digitalwährungen wäre das mehr als nur ein regulatorisches Detail. Rechtssicherheit gilt in der Branche als Voraussetzung dafür, dass Geschäft und Talente im Land bleiben statt ins Ausland abzuwandern.
Grassroots-Kampagne mit Millionenaufwand
Stand With Crypto, mit rund drei Millionen Unterstützern eine der schlagkräftigsten Lobbygruppen der Branche, hat allein im August fast 50.000 Anrufe und E-Mails an Kongressabgeordnete organisiert. Op-Eds erschienen in Lokalzeitungen von Oklahoma bis Kentucky, dazu Veranstaltungen in Iowa, Michigan und Georgia. Die Krypto-Industrie hat nach eigenen Angaben bereits mindestens 190 Millionen Dollar in die anstehenden Midterm-Wahlen investiert.
Der Druck hat einen klaren zeitlichen Hintergrund: Umfragen sehen die Demokraten im November mit guten Chancen, das Repräsentantenhaus zurückzuerobern. Das würde das aktuelle Zeitfenster für eine Gesetzgebung, die viele in der Branche als einmalige Chance betrachten, wohl schließen.
Gegenwind kommt von der Bankenlobby. Die Independent Community Bankers of America warnen, digitale Token könnten Bankeinlagen Konkurrenz machen und damit die Kreditvergabe belasten. Auch einzelne Republikaner, etwa die Senatoren James Lankford und Mike Rounds, äußerten ähnliche Bedenken.
Demokraten wie Raphael Warnock aus Georgia, dessen Stimme für die nötige 60-Stimmen-Mehrheit im Senat wichtig wäre, votierten bereits im Ausschuss gegen den Entwurf – mit Verweis auf fehlende Vorkehrungen gegen Geldwäsche.
Analysten sehen die Erfolgsaussichten für die Abstimmung am 15. September als gering an. Für Coinbase bleibt das Ergebnis dennoch relevant: Ein gescheiterter Anlauf würde die regulatorische Unsicherheit für das Kerngeschäft der Börse auf unbestimmte Zeit verlängern.
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