Coinbase Aktie: Bereinigter Gewinn schrumpft auf 78 Millionen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 03:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deCoinbase verdient für den Ausbau seiner neuen Geschäfte Anerkennung. Für mich entscheidet sich die Qualität des Unternehmens aber daran, wie viel Gewinn nach dem Herausrechnen der Krypto-Bewertungseffekte übrig bleibt.
Meine These: Der Geschäftsumbau spricht für Coinbase, sofern er auch bei schwachem Handel verlässlich Erträge liefert.
Der Gewinn braucht einen Qualitätscheck
Im dritten Quartal 2026 meldete Coinbase einen Nettogewinn von 719 Mio. USD. Darin steckten Bewertungsgewinne auf Anlage-Kryptowährungen von 715 Mio. USD. Der bereinigte Nettogewinn betrug dagegen 78 Mio. USD.
Für meine Bewertung verdient die bereinigte Größe das größere Gewicht, weil sie die operative Ertragskraft besser erkennen lässt. Die hohe Bedeutung der Krypto-Bewertungen spricht gegen eine verlässliche Gewinnplanung, solange deren Schwankungen das ausgewiesene Ergebnis wesentlich prägen. Anleger sollten deshalb besonders auf die Entwicklung des Geschäfts nach Kosten achten.
Hier liefert Coinbase durchaus Argumente: Das bereinigte EBITDA erreichte 333 Mio. USD und stieg gegenüber dem Vorquartal um 60 %. Zugleich blieb diese Ergebnisgröße zum fünfzehnten Quartal in Folge positiv.
Das spricht für die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens, sofern die Kostendisziplin dauerhaft trägt. Gerade in einer schwachen Handelsphase zählt die Fähigkeit, Ausgaben an die Erlöse anzupassen. Für eine überzeugende Erholung braucht Coinbase aus meiner Sicht zusätzlich eine breitere Ertragsbasis, die den zyklischen Handel wirksam ergänzt.
Der Umbau trägt bereits Umsatz
Abonnements und Dienstleistungen steuerten im dritten Quartal 2026 insgesamt 570 Mio. USD bei. Das entsprach knapp 49 % des Nettoumsatzes. Damit hat das Geschäft jenseits der Transaktionserlöse erhebliches Gewicht gewonnen.
Für Coinbase spricht diese breitere Aufstellung, sofern aus der Umsatzverschiebung auch belastbare Gewinne entstehen. Wiederkehrende oder weniger unmittelbar vom Spothandel abhängige Erlöse können die Planung verbessern. Ihre Qualität entscheidet sich jedoch ebenso an Kosten und Margen wie das klassische Handelsgeschäft.
Die durchschnittlichen USDC-Guthaben auf Coinbase-Produkten erreichten einen Rekord von 22 Mrd. USD. Bei den Prognosemärkten lag der annualisierte Umsatz über 200 Mio. USD. Parallel erhöhte Coinbase seinen Anteil am globalen Krypto-Handelsvolumen auf 10,7 %.
Diese Entwicklung spricht für die Wettbewerbsposition, solange Coinbase die wachsende Nutzung wirtschaftlich verwerten kann. Besonders bei den Stablecoin-Aktivitäten lohnt der Blick auf die Erlöse nach Belohnungen: Diese stiegen gegenüber dem Vorquartal, lagen aber unter dem Vorjahresniveau.
Für mich liegt hier die entscheidende Bewährungsprobe des Umbaus: Mehr Kundengelder und zusätzliche Produkte müssen sich in dauerhaft tragfähigen Erträgen niederschlagen.
Die Analysten setzen verschiedene Maßstäbe
Morgan Stanley senkte das Kursziel von 258 auf 120 USD und stufte Coinbase auf „Underweight“ herab. Analyst Michael Cyprys begründete dies mit geringerem Vertrauen in eine Gewinnerholung sowie schwachem Krypto-Handel und unsicheren Märkten nach dem Binance-Hack.
Diese Skepsis erscheint mir nachvollziehbar, solange die Handelsaktivität schwach bleibt und neue Angebote die Belastung nur teilweise auffangen. Die Bank greift damit den entscheidenden Punkt auf: Coinbase muss die Ertragswirkung seines Umbaus unter schwierigen Marktbedingungen zeigen.
Für 2027 reduzierte Morgan Stanley die Umsatzprognose um 28 % auf 6,4 Mrd. USD. Die Schätzung für das bereinigte EBITDA desselben Jahres kürzte das Haus um 47 %.
Freedom Broker gewichtet dagegen die verbesserten Kosten und das besser als erwartete bereinigte Ergebnis stärker. Diese optimistischere Sicht gewinnt für mich an Überzeugungskraft, sofern Coinbase seine Ausgaben weiter kontrolliert und die neuen Erlösquellen ausbaut.
Das Haus bestätigte seine Kaufempfehlung und senkte das Kursziel von 185 auf 175 USD. Auch Freedom Broker sieht allerdings einen schwachen Start ins Schlussquartal.
Unterm Strich überwiegt für mich vorerst die Vorsicht, solange Coinbase keine stabilere operative Ertragsentwicklung zeigt. Für das Unternehmen sprechen die breitere Umsatzbasis und die verbesserte Kostendisziplin. Eine überzeugendere Bewertung des Geschäfts verdient es aus meiner Sicht dann, wenn diese Stärken auch bei gedämpftem Kryptohandel verlässlich Gewinn erzeugen.
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