Close Brothers Aktie: Zehn Prozent Plus trotz rotem Jahresergebnis
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Jahresverlust, kein Dividendenbeschluss – und trotzdem springt die Aktie zweistellig nach oben. Bei Close Brothers zeigt sich am Dienstag, wie sehr Anleger inzwischen auf Fortschritt statt auf Perfektion schauen.
Die Aktie legte um 10,1 Prozent auf 424,96 Pence zu. Der Grund liegt weniger im Ergebnis selbst als in der Richtung, in die es sich entwickelt. Der Spezialfinanzierer aus London wies für das Geschäftsjahr 2026 einen Verlust nach Steuern von 63,4 Millionen Pfund aus, nach 77,9 Millionen Pfund im Vorjahr. Der operative Verlust vor Steuern sank von 122,4 auf 60,3 Millionen Pfund.
Kostenprogramm läuft schneller als geplant
Unter dem roten Ergebnis verbirgt sich eine Restrukturierung, die schneller vorankommt als angekündigt. Close Brothers erzielte annualisierte Kosteneinsparungen von rund 36 Millionen Pfund – deutlich über dem eigenen Ziel von 25 Millionen Pfund. Das bereinigte Betriebsergebnis fiel zwar auf 120 Millionen Pfund von zuvor 144 Millionen Pfund, die bereinigten Erträge sanken um 6 Prozent auf 643 Millionen Pfund. Beides spiegelt die bewusste Neuausrichtung des Geschäfts wider, weniger eine grundsätzliche Schwäche.
Die Kreditbuch-Entwicklung liefert den eigentlichen Hoffnungsschimmer. Nominell blieb der Bestand mit 9,5 Milliarden Pfund stabil, auf bereinigter Basis wuchs er im zweiten Halbjahr um 4 Prozent – in allen drei Sparten Commercial, Retail und Property gleichzeitig. Management-Chef Mike Morgan sprach von einem Unternehmen, das sich als "fokussierte Spezialbank" neu aufgestellt habe und mit dem Schwung ins Geschäftsjahr 2027 gehe.
Die Kapitalausstattung dürfte zusätzlich beruhigt haben. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag zum Jahresende bei 14,1 Prozent – oberhalb der mittelfristigen Zielspanne von 12 bis 13 Prozent. Das verschafft dem Institut Spielraum, um weitere Belastungen aus der Motorfinanzierungs-Thematik zu verkraften, ohne die Kreditvergabe einzuschränken.
Motorfinanzierung bleibt der Unsicherheitsfaktor
Eine Dividende für 2026 gibt es nicht. Der Vorstand begründet das mit der andauernden Unsicherheit rund um das Entschädigungsprogramm der britischen Finanzaufsicht FCA für Provisionen in der Motorfinanzierung. Die Rückstellung dafür wuchs im Jahresverlauf um 165 Millionen Pfund auf insgesamt rund 320 Millionen Pfund.
Weil diese Erhöhung in den Quartalen zuvor bereits schrittweise angedeutet worden war, scheint der Markt sie größtenteils eingepreist zu haben. Die entscheidende Anhörung vor dem Upper Tribunal wird für Dezember 2026 oder Februar 2027 erwartet – ein Urteil dürfte laut Unternehmensangaben erst Monate später vorliegen. Bis dahin bleibt offen, wie teuer die Altlast am Ende tatsächlich wird.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Close Brothers mit weitgehend stabilen Kosten von rund 430 Millionen Pfund und einer Nettozinsmarge leicht unter dem Vorjahresniveau von 6,9 Prozent. Bis 2028 soll die Rendite auf das materielle Eigenkapital zweistellig werden – ein Ziel, das der Vorstand trotz des schwierigen Marktumfelds in Bau-zum-Verkauf-Projekten bekräftigte.
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