Cisco Aktie: Milliardenauftrag verpufft
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Rekordquartal, ein optimistischer Ausblick für 2027 – und trotzdem rutscht die Aktie ab. Cisco liefert Zahlen, die auf dem Papier kaum Wünsche offenlassen, doch der Markt konzentriert sich auf eine einzige Zeile in der Guidance: die Bruttomarge.
Der Netzwerkausrüster meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 17,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr, und übertraf mit einem Gewinn je Aktie von 1,22 Dollar die Erwartungen deutlich.
Die Aktie reagierte trotzdem mit einem Kursrutsch von 9,5 Prozent auf 112,13 Dollar. Der Grund: Die Prognose für die Bruttomarge im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres liegt bei 65 bis 66 Prozent – spürbar unter dem bisherigen Niveau von 66,3 Prozent.
Warum die Marge die Story dominiert
Investoren fürchten, dass das margenstarke Softwaregeschäft zunehmend vom margenschwächeren KI-Hardwaregeschäft verdrängt wird. Die Zahlen stützen diese Sorge nur teilweise.
Die Auftragseingänge im Bereich KI-Infrastruktur erreichten im vierten Quartal 4 Milliarden Dollar, für das gesamte Geschäftsjahr summierten sie sich auf 9,3 Milliarden Dollar – eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr peilt das Management 7,5 Milliarden Dollar KI-Umsatz an, das entspräche rund zehn Prozent des Gesamterlöses.
Parallel dazu wächst das klassische Netzwerkgeschäft ungewöhnlich breit: Die Produktaufträge legten um 40 Prozent zu, und zwar in allen Regionen – Amerika mit 44 Prozent, Europa mit 25 Prozent, Asien-Pazifik mit 19 Prozent. Das ist bereits das achte Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum im Netzwerksegment. Operativ expandierte die Marge sogar leicht auf 34,8 Prozent, weil geringere Betriebskosten den Rückgang der Bruttomarge teilweise ausgleichen.
Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich
UBS-Analyst David Vogt hob sein Kursziel von 132 auf 138 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Er wertet den Ausblick fürs Netzwerkgeschäft als konservativ und erhöhte seine Gewinnschätzungen bis 2028. Andere Häuser sehen es ähnlich: Rosenblatt nennt 165 Dollar als Kursziel, Evercore ISI 150 Dollar, Truist 140 Dollar, Morgan Stanley und KeyBanc jeweils 135 Dollar. Kritischer äußerten sich Morgan Stanley und Barclays zur kurzfristigen Margenbelastung durch den steigenden Hardwareanteil.
Trotz des Rücksetzers bleibt die Kursbilanz für Cisco in diesem Jahr mit einem Plus von 49 Prozent seit Jahresbeginn deutlich positiv. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Aktie bereits um mehr als 170 Prozent zugelegt und damit den Nasdaq 100 klar geschlagen.
Der nächste Test folgt mit den Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27, die für Mitte November erwartet werden. Cisco selbst stellt dafür einen Umsatz von 18,0 bis 18,2 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich über dem aktuellen Analystenkonsens von 16,79 Milliarden Dollar.
Hält das Unternehmen die Bruttomarge dabei stabil in der angepeilten Spanne von 65 bis 66 Prozent, dürfte die aktuelle Verkaufswelle als überzogen gelten.
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