Circle Aktie: ARC-Vorverkauf verzerrt das Quartal
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach Circles Quartalsbericht rückt heute die Qualität des Gewinnwachstums in den Vordergrund. Mizuho bleibt skeptisch und verweist auf schwächere Ergebnisse ohne den einmaligen ARC-Token-Vorverkauf. Die Aktie steht mit einer Tagesveränderung von -9,1% unter Druck.
Einmalerlös prägt das Quartal
Circle hatte gestern für das dritte Quartal 2026 Umsatz und Reserveeinnahmen von 865 Mio. US-Dollar gemeldet. Davon entfielen 182 Mio. US-Dollar auf den ARC-Token-Vorverkauf.
Der Vorverkauf erklärt damit einen wesentlichen Teil der starken Schlagzeilen. Er belegt aber keine wiederkehrenden Einnahmen aus dem Zahlungsverkehr. Für Anleger ist deshalb entscheidend, wie sich das Geschäft ohne diesen Beitrag entwickelt.
Die gesamten Umsatz- und Reserveeinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahr um 17%. Das bereinigte EBITDA legte um 85% auf 317 Mio. US-Dollar zu.
Diese Zuwächse vermitteln allerdings ein anderes Bild als die Betrachtung ohne Token-Erlöse. Mizuho zufolge wären Umsatz und Reserveeinnahmen ohne den Vorverkauf gegenüber dem Vorjahr gesunken. Auch das bereinigte operative Ergebnis hätte nachgegeben.
Die Reserveeinnahmen fielen um 8% auf 658 Mio. US-Dollar. Die Reserveverzinsung lag bei 3,5%.
Damit steht Circle vor einer konkreten Herausforderung: Eine stärkere Nutzung von USDC muss sich nicht automatisch in höheren Reserveerträgen niederschlagen. Sinkende Verzinsung kann den Beitrag eines wachsenden durchschnittlichen Umlaufs aufzehren.
JPMorgan bleibt positiv, Mizuho skeptisch
Worthington zufolge profitierte der besser als erwartete Quartalsgewinn von einer niedrigeren Steuerquote und höheren ARC-Vorverkaufserlösen als modelliert. Zugleich verlangsame sich das Kerngeschäft bei sinkender USDC-Marktkapitalisierung. Seine positive Anlageempfehlung geht somit mit vorsichtigeren Erwartungen einher.
Mizuho hob das Kursziel dagegen von 43 auf 46 US-Dollar an. Das Haus bestätigte dennoch die Empfehlung „Unterdurchschnittlich“.
Die Anhebung ist daher keine grundsätzliche Neubewertung. Im Zentrum der Kritik stehen die Ertragskraft ohne Token-Verkauf und die Konditionen der Vertriebspartner. Beide Faktoren begrenzen aus Sicht des Hauses die Aussagekraft des gemeldeten Gewinnsprungs.
Nach Mizuhos Berechnung sanken ohne den ARC-Vorverkauf die Umsatz- und Reserveeinnahmen um 8% und das bereinigte EBITDA um 21%. Die bestätigte Jahresprognose impliziere zudem eine Nettoreservemarge im niedrigen Dreißigprozentbereich für das Schlussquartal.
Wachstum muss sich stärker auszahlen
Die Nutzung des Netzwerks liefert zugleich Argumente gegen eine pauschal negative Bewertung. Circle meldete ein deutlich gestiegenes USDC-Onchain-Transaktionsvolumen. Der Zuwachs zeigt Aktivität im Netzwerk, ist aber nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Einnahmen gleichzusetzen.
Im dritten Quartal 2026 erreichte dieses Transaktionsvolumen 13,9 Bio. US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 49% gegenüber dem Vorjahr.
Circle bestätigte trotz des Ergebnisanstiegs die Jahresprognose. Damit übersetzt das Unternehmen den starken ausgewiesenen Quartalsgewinn nicht in höhere Jahresziele. Parallel senkte Circle die Beschäftigtenzahl und verbuchte dafür Restrukturierungskosten.
Für 2026 erwartet Circle weiterhin sonstige Erlöse von 310–330 Mio. US-Dollar. Die bereinigten Betriebskosten sollen bei 570–585 Mio. US-Dollar liegen.
Der entscheidende Prüfstein ist deshalb nicht allein weiteres Transaktionswachstum. Circle muss zeigen, dass daraus belastbare, wiederkehrende Erträge entstehen und die Margen nach dem Token-Vorverkauf tragen. Genau hier unterscheiden sich die Analysten: JPMorgan hält am positiven Anlageurteil fest, während Mizuho die schwächere zugrunde liegende Ertragsentwicklung stärker gewichtet.
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