Chip Titans Index: KI-Kette im Fokus
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der KI-Ausbau frisst Kapital in historischem Ausmaß. Zwei Entwicklungen zeigen, wer ihn bezahlt und wo die Risiken liegen. Für den Chip Titans Index, der die gesamte Wertschöpfungskette bündelt, ist beides relevant.
Der Ausbau ist real
Die Deutsche Bank hält künstliche Superintelligenz bis 2030 für möglich. Die fünf großen Cloudkonzerne investieren schon in diesem Jahr knapp 800 Milliarden Dollar, ab 2030 sollen es jährlich mehr als eine Billion sein. Ein Modell, das so vielseitig denkt wie ein Mensch, bräuchte Rechenzentren für 300 bis 500 Milliarden Dollar und rund sechs Gigawatt Strom.
Die Anlagethese hängt laut der Studie nicht am großen Durchbruch. Unternehmen führen KI etwa dreimal so schnell ein wie früher Internet, Mobilfunk und Cloud. Die KI-Umsätze außerhalb Chinas sollen 2026 auf mehr als 200 Milliarden Dollar steigen. 2022 lagen sie unter einer Milliarde.
Der Haken: Die Rechenzentren werden vor allem mit erwarteten Erträgen finanziert. Der Cashflow der Cloudkonzerne gerät unter Druck, ein Google-DeepMind-Stratege warnt vor einer „KI-Lufttasche“, in der das Geld fließt und die Umsätze ausbleiben.
Wer zahlt die Rechnung?
Beim Cloud-Anbieter CoreWeave zeigt sich die Finanzierungsfrage konkret. Das Unternehmen sammelte dieses Jahr mehr als 35 Milliarden Dollar ein, Schulden und Leasingverpflichtungen summierten sich Ende Juni auf rund 52 Milliarden Dollar.
Mitgründer Brannin McBee peilt nun ein Investment-Grade-Rating für weitere chipbesicherte Kredite an, um an das Kapital der Versicherer zu kommen. Ein Kredit über 8,5 Milliarden Dollar, gestützt auf einen Meta-Vertrag, erhielt bereits die Note A3.
Die Nachfrage spricht für den Sektor. Die Kapazität für 2027 ist laut McBee nahezu ausverkauft. Das Risiko verschiebt sich damit zur Frage, ob kleinere KI-Entwickler, die selbst noch Verluste schreiben, ihre Verträge bezahlen können. Die CoreWeave-Aktie schloss gestern bei 77,8 Dollar, knapp 48 Prozent unter dem Hoch.
Warum Streuung zählt
Auch im Speichersegment ist Vorsicht angebracht. ARK-Gründerin Cathie Wood sieht die Nachfrage ungebrochen, meidet klassische Speicherhersteller aber. Der staatlich gestützte chinesische Anbieter CXMT baut seine DRAM-Produktion aus und könnte die Preise drücken. SK Hynix notiert bereits rund 20 Prozent unter dem Jahreshoch. „Der Trend zeigt nach oben, aber die Zyklen sind brutal“, sagt Wood.
Der Index setzt auf Breite. Er umfasst 20 Unternehmen von Chipdesign über Speicher und Fertigung bis zur Rechenzentrums-Infrastruktur. Kein Wert wiegt aktuell mehr als 6,08 Prozent, der Speicheranteil liegt bei 18,2 Prozent.
Einen Test für die Finanzierungsthese liefern die CoreWeave-Quartalszahlen, die voraussichtlich in der zweiten Novemberwoche anstehen.
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