Chevron Aktie: Nackenlinie unter Druck
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach einem fulminanten Lauf gerät die Chevron-Aktie ins Wanken. Charttechnisch zeichnet sich eine kleinere Schulter-Kopf-Schulter-Formation ab — just an einem Punkt, an dem Goldman Sachs gerade sein Kursziel deutlich angehoben hat. Zwei völlig gegensätzliche Signale treffen aufeinander.
Charttechnik zeigt Warnzeichen
Der Kursverlauf der vergangenen Monate war beeindruckend. Zwischen Mitte April und August bildete sich eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die mit dem Sprung über 198,00 US-Dollar ein Kaufsignal lieferte. Anfang September überwand die Aktie die Frühjahrshochs bei 210,92 US-Dollar und markierte in der Spitze 217,65 US-Dollar.
Seither hat der Verkaufsdruck spürbar zugenommen. Eine neue, kleinere Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist entstanden, deren Nackenlinie bei 200,83 US-Dollar verläuft — exakt dort, wo auch der 50-Tage-Durchschnitt liegt. Rutscht die Aktie nachhaltig darunter, wäre zunächst eine Korrektur bis 192,07 US-Dollar denkbar, im Anschluss bis 183,39 US-Dollar, wo auch der 200-Tage-Durchschnitt verläuft.
Auf der Oberseite bräuchte es dagegen einen Anstieg über 211,00 US-Dollar, um wieder Richtung der alten Hochs zu laufen. Wie sich das entscheidet, dürfte auch vom Ölpreis abhängen — mögliche Fortschritte bei Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus könnten hier den Ausschlag geben.
Goldman sieht Wachstumsstory intakt
Während die Charttechnik zur Vorsicht mahnt, bleibt das fundamentale Bild bei Analysten positiv. Goldman-Sachs-Analyst Neil Mehta hat nach einem Gespräch mit dem Chevron-Management sein Kursziel von 225 auf 240 US-Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Mehta verweist auf eine solide Pipeline internationaler Explorationsprojekte in Lateinamerika, dem Nahen Osten, Westafrika und dem östlichen Mittelmeer.
Besonders im Fokus steht Venezuela: Über drei Joint Ventures will Chevron die Bruttoförderung dort bis 2031 von rund 280.000 auf 600.000 Barrel pro Tag mehr als verdoppeln. Hinzu kommt der Vorstoß in Schiefer- und Tight-Oil-Technologien — Maßnahmen wie optimierte Fördertechnik und der Einsatz von KI sollen die Ausbeute neuer Bohrungen um etwa zehn Prozent steigern.
Die Kapitalkosten pro Barrel im US-Schiefergeschäft sollen dadurch 2026 um ein Viertel sinken, die gesamten Permian-Investitionen unter 3,5 Milliarden Dollar fallen.
Auch im Strombereich sieht Goldman Wachstumspotenzial: Ein 20-jähriger Stromliefervertrag mit Microsoft über 2,67 Gigawatt Kapazität — das Projekt trägt den Namen Kilby — soll ab 2028 erste Lieferungen bringen und langfristig zweistellige Renditen erzielen.
Zwei Signale, ein Kurs
Die Divergenz zwischen Chart und Fundamentaldaten macht die aktuelle Lage bei Chevron ungewöhnlich. Kurzfristig orientierte Trader blicken auf die 200,83-Dollar-Marke als Belastungsprobe, während langfristig ausgerichtete Investoren die Wachstumsstory in Venezuela, im Schiefergeschäft und im Strom-Business für 2027 und darüber hinaus im Blick behalten.
Ob die Nackenlinie hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen — insbesondere davon, wie sich der Ölpreis angesichts der geopolitischen Lage im Nahen Osten entwickelt.
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