Chevron Aktie: 20-jähriger Stromvertrag mit Microsoft
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 11:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chevron zahlt einen politischen Preis für seinen Rekordgewinn. Die Aktie schloss am Montag 1,71 Prozent tiefer bei 167,78 Euro. Der Auslöser: Ein Doppelschlag aus scharfer Kritik von Präsident Trump und einem kräftigen Rutsch der Ölpreise.
Trump fordert niedrigere Preise an der Zapfsäule
Am Montag griff Donald Trump Chevron-Chef Mike Wirth öffentlich an. Anlass war ein TV-Auftritt Wirths, bei dem der CEO aus Sicht des Präsidenten die Politik der Regierung nicht ausreichend gewürdigt hatte. In einem Social-Media-Post warf Trump ihm vor, ohne die "Weitsicht und Stärke" seiner Regierung wäre die Ölbranche "tot" — als Beleg nannte er Markteingriffe in Regionen wie Venezuela.
Die Kritik blieb nicht bei politischen Vorwürfen. Trump verlangte von Chevron, die Preise für Verbraucher an der Zapfsäule sofort zu senken. Die Forderung kommt nur wenige Tage, nachdem Chevron einen Quartalsgewinn von 12,1 Milliarden Dollar gemeldet hatte — fast das Vierfache des Vorjahreswerts. Der Kontrast zwischen Rekordgewinnen im Konzern und hohen Preisen an der Tankstelle rückt damit ins Zentrum der politischen Debatte, mit den Zwischenwahlen im Blick.
Ölpreise brechen ein, Chevron leidet mit
Der Kursrutsch bei Chevron hat noch einen zweiten Treiber: einen breiten Ausverkauf im gesamten Energiesektor. Die Ölsorten Brent und WTI fielen am Montag um rund 5 Prozent. Grund dafür sind Berichte, wonach die US-Regierung statt eines befürchteten Militärschlags nun auf Verhandlungen mit dem Iran setzt.
Der diplomatische Kurswechsel senkt die Angst vor größeren Lieferausfällen im Nahen Osten. Für einen integrierten Ölkonzern wie Chevron bedeutet das: niedrigere Rohstoffpreise drücken direkt auf die Stimmung der Investoren. Das gilt selbst dann, wenn die Fördermengen weiter Rekordniveau erreichen.
Strategischer Schwenk: Milliarden-Deal mit Microsoft
Neben Politik und Ölpreis gibt es eine Entwicklung mit langfristiger Tragweite. Chevron hat einen 20-jährigen Stromliefervertrag mit Microsoft unterschrieben. Der Konzern liefert künftig 2,67 Gigawatt "Behind-the-meter"-Strom direkt vor Ort.
Diese Energie versorgt ein großes, co-lokalisiertes Rechenzentrum in West-Texas. Chevron nutzt damit seine Land- und Energiereserven, um die wachsende Infrastruktur für Künstliche Intelligenz mit Strom zu versorgen. Der Deal zeigt eine klare Diversifizierungsstrategie: Chevron will Cashflows aufbauen, die unabhängiger von klassischen Kraftstoffmärkten sind.
Operative Stärke trotz Kursdruck
Der Kursrutsch verdeckt eine solide operative Bilanz. Chevron erreichte sein Sparziel von 3 Milliarden Dollar bei den Strukturkosten sechs Monate früher als geplant. Bei der Integration von Hess Corporation liegt der Konzern ebenfalls über Plan: Innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Übernahme erzielte Chevron jährliche Synergien von 1,5 Milliarden Dollar — 50 Prozent mehr als ursprünglich anvisiert.
Auch bei der Ausschüttung zeigt sich Stärke. Allein im zweiten Quartal floss ein Betrag von 6,5 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück.
Trotz des Rücksetzers am Montag steht die Aktie seit Jahresbeginn mit 30,16 Prozent im Plus. Aktuell notiert Chevron 10,43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 187,32 Euro. Wie der Konzern den Spagat zwischen Rekordgewinnen und wachsendem politischen Druck bei den Verbraucherpreisen meistert, dürfte die kommenden Wochen prägen.
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