Celsius Aktie: Rationalisierung rächt sich
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 15:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Celsius Holdings wollte 2026 zum Jahr der Portfolio-Reife machen. Stattdessen liefert das zweite Quartal einen Offenbarungseid: Die einst omnipräsente Kernmarke bricht ein, und Vorstandschef John Fieldly räumt öffentlich ein, bei der Sortimentsbereinigung zu weit gegangen zu sein. Die Börse quittierte das mit einem Kurssturz auf ein neues Jahrestief.
Die Zahlen selbst verfehlten die Erwartungen deutlich. Celsius Holdings verdiente je Aktie bereinigt 0,36 Dollar, sieben Cent weniger als von Analysten prognostiziert. Der Umsatz kam auf 817,9 Millionen Dollar und blieb damit rund 68 Millionen Dollar unter der Konsensschätzung von 886 Millionen Dollar. Die Aktie fiel vorbörslich zweistellig und rutschte unter ihr bisheriges 52-Wochen-Tief von 26,54 Dollar.
Die Kernmarke bremst das Wachstum
Der Umsatz des Konzerns wuchs zwar noch um rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr — getragen allein von den zugekauften Marken. Die namensgebende Celsius-Marke brach dagegen um etwa 12 Prozent ein. Ursache war eine aggressive Bereinigung des Sortiments, kombiniert mit höheren Handelsrabatten und einer schwächeren Nachfrage im Club-Kanal.
Fieldly benannte das Problem im Earnings-Call selbst: Man sei bei der Celsius-Rationalisierung "zu tief" gegangen und hätte einen leichteren Ansatz wählen können. Das Management hatte bewusst auf Innovationen bei der Kernmarke verzichtet, um die Integration von Alani Nu und Rockstar Energy nicht zu gefährden — mit der Folge, dass genau diese Innovationslücke die Erholung ausbremste. Eine Rückkehr zu Wachstum erwartet der Konzern nun erst 2027, das dritte Quartal soll dem zweiten noch ähneln.
Alani Nu trägt das Portfolio
Während die Kernmarke schwächelt, liefert Alani Nu weiter ab. Die Marke steigerte ihren Nettoumsatz um 21 Prozent auf 364 Millionen Dollar, im Handel legten die Verkäufe sogar um 56 Prozent zu. Im ersten Halbjahr knackte Alani Nu erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar an Einzelhandelsumsätzen — gut ein Jahr nach der Übernahme.
Rockstar Energy, ebenfalls neu ins Portfolio integriert, steuerte rund 66 Millionen Dollar bei und ist inzwischen vollständig auf die Konzernplattform migriert. Zusammen hält das Markenportfolio einen Anteil von etwa 20 Prozent am US-Markt für Energydrinks. Die Bruttomarge blieb mit rund 48 Prozent stabil, obwohl Aluminium- und Frachtkosten weiter belasteten.
Kapitalrückkäufe trotz Gegenwind
Trotz der schwachen Zahlen hält der Konzern an seiner Kapitalrückkaufstrategie fest. Im zweiten Quartal kaufte Celsius Holdings Aktien im Wert von rund 100 Millionen Dollar zurück, im ersten Halbjahr waren es 124 Millionen Dollar. Von der bestehenden Ermächtigung über 300 Millionen Dollar will der Konzern in diesem Jahr weiter Gebrauch machen.
Das bereinigte EBITDA sank im Quartal auf 184 Millionen Dollar von 210 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum — die Investitionen in die Markenintegration und der Margendruck durch Rohstoffkosten zeigen sich hier deutlich.
Für das dritte Quartal erwartet das Management eine ähnliche Entwicklung wie im zweiten, mit einer allmählichen Besserung erst zum Jahresende. Als Hoffnungsträger gilt die für Ende 2026 geplante Alani-Nu-Aktion "Witch's Brew", die laut Unternehmensangaben die bislang größte Produkteinführung in der Markengeschichte werden soll. Die Kernmarke Celsius soll nach Unternehmensangaben erst 2027 wieder auf Wachstumskurs zurückkehren, gestützt durch neue Innovationen im 16-Unzen-Segment.
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