Capricor, Sammelklagen

Capricor: 42 Prozent mit Überempfindlichkeitsreaktionen

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sammelklagen gegen Capricor wegen möglicher FDA-Täuschung. Trotz Kursverlusten stockt Millennium Management seine Beteiligung auf 4,9 Prozent auf.

Capricor Therapeutics: Klagen und FDA-Zweifel belasten Aktie trotz Hedgefonds-Einstieg
Modernes Labor mit medizinischen Forschungsgeräten in einer klinischen und präzisen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Klagewelle nach Ungereimtheiten bei Zulassungsdaten

Anleger von Capricor Therapeutics stehen vor einer entscheidenden Frist. Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Levi & Korsinsky sowie Kaplan Fox & Kilsheimer, haben Sammelklagen gegen das Biotechnologie-Unternehmen eingereicht. Investoren, die zwischen dem 17. Dezember 2025 und dem 26. Juli 2026 Wertpapiere erworben haben, können bis zum 28. September 2026 die Rolle des Hauptklägers beantragen.

Der Vorwurf wiegt schwer: Das Unternehmen soll über den Status seines Hoffnungsträgers Deramiocel zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) getäuscht haben. Konkret geht es um Änderungen am statistischen Analyseplan (SAP), die laut Klageschrift nicht rechtzeitig mit der US-Gesundheitsbehörde FDA abgestimmt worden seien.

Inzwischen öffentlich gewordene Dokumente der FDA legten offen, dass der finale Analyseplan erst unmittelbar vor der Entblindung der Studiendaten erstellt wurde – ein Vorgehen, das die Behörde kritisch bewertet und die Wahrscheinlichkeit einer Zulassung gefährdet.

FDA-Skepsis und regulatorische Hürden

Die rechtlichen Auseinandersetzungen sind die Folge einer dramatischen Entwicklung in der Kommunikation mit den Regulierungsbehörden. Vor gut drei Wochen stimmte ein Beratungsausschuss der FDA mit 9 zu 3 Stimmen gegen die Wirksamkeit von Deramiocel bei DMD-Kardiomyopathie. Kritisiert wurde dabei nicht nur die statistische Aufarbeitung, sondern auch die Sicherheitslage: Bei 42 Prozent der behandelten Patienten traten Überempfindlichkeitsreaktionen auf, verglichen mit nur 15 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Trotz dieser Rückschläge gab es zuletzt einen Hoffnungsschimmer für das Unternehmen. Medienberichten zufolge deutete die FDA am 14. August an, zusätzliche 24-Monats-Daten für Deramiocel prüfen zu wollen.

Diese Nachricht sorgte kurzzeitig für eine Kurserholung, auch wenn das Papier weiterhin weit unter seinem Niveau aus dem Frühjahr notiert. Der aktuelle Kurs von 6,41 € markiert am heutigen Donnerstag einen Rückgang von 3,8 %, womit das Papier etwa 80 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 32,50 € liegt.

Großinvestor Millennium baut Position auf

Inmitten der juristischen und regulatorischen Unsicherheiten zeichnet sich jedoch ein verstärktes Interesse institutioneller Investoren ab. Millennium Management, geführt von Israel Englander, gab bekannt, eine signifikante Position an Capricor Therapeutics aufgebaut zu haben. Laut einer gestern eingereichten Meldung an die US-Börsenaufsicht hält die Investmentgesellschaft einen Anteil von 4,9 Prozent, was rund 2,86 Millionen Aktien entspricht. Am Montag hatte die Beteiligung zeitweise sogar die Schwelle von 5 Prozent überschritten.

Dieser Einstieg eines namhaften Hedgefonds steht im Kontrast zur massiven Volatilität der Aktie. Während die Kanzleien Bronstein, Gewirtz & Grossman weiteren Anlegern zur Prüfung ihrer Verluste raten, setzen Großinvestoren offenbar auf ein Szenario, in dem die zusätzlichen Langzeitdaten der FDA doch noch eine Brücke zur Marktreife bauen könnten.

Dennoch bleibt die Unsicherheit für Kleinanleger hoch, da die Vorwürfe über verspätet eingereichte Analysepläne die Vertrauensbasis zwischen Unternehmen und Aufsichtsbehörde nachhaltig beschädigt haben könnten. Die kommenden Wochen bis zum Ende der Antragsfrist für die Sammelklage dürften für die weitere Kursentwicklung maßgeblich bleiben.

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