Capgemini verkauft US-Regierungssparte an ITC Federal
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 18:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der IT-Dienstleister Capgemini trennt sich von seinem Geschäftsbereich für US-Bundesbehörden. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, wurde eine endgültige Vereinbarung zum Verkauf der Tochtergesellschaft Capgemini Government Solutions an den IT-Dienstleister ITC Federal unterzeichnet. Damit reagiert der Konzern auf die anhaltende Kritik an seiner Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE.
Strategischer Rückzug aus dem Regierungsgeschäft
Die in McLean, Virginia, ansässige Tochtergesellschaft hatte sich auf Dienstleistungen für US-Bundesbehörden spezialisiert. Im Zentrum der Kontroversen stand ein Vertrag mit der Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE), für die Capgemini Technologien zur Identifizierung und Standortbestimmung von Ausländern bereitstellte.
Dieser Kontrakt wurde laut Medienberichten bereits im Dezember 2025 geschlossen und verfügte über ein potenzielles Gesamtvolumen von bis zu 365 Millionen US-Dollar. Ein ergänzender Auftrag im Oktober 2025 hatte zudem ein Volumen von 7 Millionen US-Dollar für den Zeitraum zwischen Dezember und Februar.
Mit dem Verkauf an ITC Federal, einem Spezialisten für digitale Lösungen im Bereich der Strafverfolgung und nationalen Sicherheit, zieht Capgemini nun die Konsequenz aus der öffentlichen Debatte. ITC Federal wird durch den Zukauf seine Präsenz im Sektor der Bundesbehörden massiv ausbauen. Finanziert wird die Expansion unter anderem durch Blue Delta Capital Partners, die seit 2024 in den Käufer investieren.
Finanzielle Auswirkungen und Portfolio-Relevanz
Trotz der medialen Aufmerksamkeit spielt die veräußerte Einheit für die Bilanz des Gesamtkonzerns eine untergeordnete Rolle. Capgemini Government Solutions trug im Geschäftsjahr 2025 lediglich rund 0,4 Prozent zum weltweiten Konzernumsatz bei, der sich insgesamt auf 22,5 Milliarden Euro belief. Auch innerhalb des US-Marktes war die Bedeutung mit einem Anteil von weniger als zwei Prozent an den regionalen Erlösen gering.
Der Konzern, der weltweit mehr als 410.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern beschäftigt, fokussiert sich durch die Veräußerung stärker auf sein ziviles Kerngeschäft. Der Abschluss der Transaktion wird laut Unternehmensangaben in den kommenden Wochen erwartet, sofern die üblichen Bedingungen erfüllt werden. Über den genauen Verkaufspreis vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen.
Stellenabbau in Europa und Marktreaktion
Während Capgemini sein US-Portfolio bereinigt, stehen am Heimatmarkt Frankreich einschneidende Maßnahmen bevor. Medienberichte von France24 und Les Echos deuten darauf hin, dass das Unternehmen dort den Abbau von rund 2.400 Arbeitsplätzen plant. Diese Nachricht sowie der strategische Umbau prägen derzeit das Bild für Anleger.
An der Börse zeigte sich das Papier zum Wochenausklang moderat erholt. Die Aktie von Capgemini stieg am Freitag um 1,4 Prozent und ging mit einem Stand von 102,75 Euro aus dem Handel.
Dennoch bleibt die mittelfristige Bilanz belastet: Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert ein Minus von 28 Prozent. Die Marktteilnehmer beobachten nun, ob die Trennung von der umstrittenen US-Sparte und die angekündigten Kostensenkungen in Europa eine dauerhafte Stabilisierung einleiten können.
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