Cameco Aktie: Westinghouse vereinbart Polens AKW-Rahmen
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 03:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das polnische Kernkraftprogramm hat eine wichtige Hürde genommen. Am Mittwoch verständigten sich das staatliche polnische Unternehmen PEJ sowie das Konsortium aus Westinghouse und dem Baukonzern Bechtel auf zentrale Rahmenbedingungen für das erste Atomkraftwerk des Landes. Am Standort Lubiatowo-Kopalino ist der Bau von drei Reaktoren der Baureihe AP1000 vorgesehen.
Für den kanadischen Urankonzern Cameco besitzt dieses Projekt erhebliche strategische Bedeutung. Das Unternehmen hält seit einem Zukauf im Jahr 2023 eine Beteiligung von 49 Prozent an dem US-Reaktorbauer Westinghouse. Die geplante Anlage soll eine Nettoleistung von 3.750 Megawatt bereitstellen. Nach dem aktuellen Zeitplan soll der erste erzeugte Strom im Jahr 2036 in das polnische Verbundnetz eingespeist werden.
Bis zu einer verbindlichen Festlegung bleibt für die Partner allerdings noch Arbeit zu leisten. Die Parteien wollen die abschließenden Verhandlungen über den Errichtungsvertrag bis zum Ende des laufenden Jahres abschließen. Vertragssumme und genaue Laufzeiten sind derzeit noch offen, weshalb sich aus den vereinbarten Eckpunkten vorerst keine unmittelbaren Erlöse für Cameco ableiten lassen.
Vorbereitende Arbeiten am Standort laufen
Am künftigen Kraftwerksstandort an der Ostseeküste schreiten die Maßnahmen vor Ort bereits voran. Die vorbereitenden Arbeiten erstrecken sich über ein Areal von rund 300 Hektar und umfassen Geländeebnungen, Entwässerungen sowie die Errichtung temporärer Zufahrtswege. Konsortialpartner Bechtel bezifferte den Wert der bereits an polnische Partner vergebenen Liefer- und Dienstleistungsaufträge auf über eine Milliarde Zloty.
Im behördlichen Genehmigungsprozess steht der nächste Meilenstein im kommenden Jahr an. Nach dem bereits eingereichten nuklearen Vorantrag soll dann der eigentliche Bauantrag folgen. Für das Konsortium ist das polnische Großprojekt ein wichtiges Referenzvorhaben, um die AP1000-Technologie im europäischen Energiesektor weiter zu etablieren.
Versorger stehen vor Beschaffungslücke
Flankiert wird der Ausbau der Kernkraftkapazitäten von einer zunehmenden Verknappung auf der Angebotsseite des Uranmarktes. Schätzungen von Cameco zufolge summieren sich die bislang ungedeckten Uranbedarfe der weltweiten Energieversorger bis zum Jahr 2045 auf rund 3,1 Milliarden Pfund. Das entspricht etwa 65 Prozent der gesamten erwarteten Nachfrage für diesen Zeitraum.
Um dieses Defizit zu bewältigen, drängen Energieversorger verstärkt auf langfristige Kontrakte mit etablierten Förderern. Cameco setzt in diesem Marktumfeld auf mehrjährige Lieferverträge, die dem Unternehmen eine hohe Planungssicherheit verschaffen und das Geschäft gegen kurzfristige Preisschwankungen am Terminmarkt absichern.
An den europäischen Börsenplätzen spiegelte sich dieser Optimismus zuletzt jedoch nur bedingt wider, da Zurückhaltung im Rohstoffsektor auf die Stimmung drückte. Im gestrigen Handel verbuchte das Cameco-Papier einen Rückgang um 2,7 Prozent auf einen Schlusskurs von 77,68 Euro.
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