CAC 40: Politikrisiko drückt auf Bewertung
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der CAC 40 tritt auf der Stelle – und das ist fast schon die eigentliche Nachricht. Während Anleger die Lage im Nahen Osten und die anstehende Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank verfolgen, bewegt sich der Leitindex kaum vom Fleck. Dahinter steckt allerdings eine tiefere Geschichte: Frankreichs Aktienmarkt trägt seit Jahren einen politischen Risikoaufschlag, der sich nicht so schnell auflösen dürfte.
Am Montag notierte der CAC 40 knapp über 8.280 Punkten, nahezu unverändert. Steigende Ölpreise nach Angriffen der USA auf iranische Tanker trieben TotalEnergies rund 1,6 Prozent nach oben, während Dassault Systèmes, Michelin und Kering zu den größeren Verlierern zählten. STMicroelectronics legte dagegen etwa 2,5 Prozent zu.
Wahlkampf 2027 wirft Schatten voraus
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt jenseits der Tagescharts. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 führt Marine Le Pen die Umfragen mit über 30 Prozent an, vor dem Zentristen Édouard Philippe und dem Linksaußen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, die beide zwischen 15 und 20 Prozent liegen. Goldman Sachs beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Le-Pen-Siegs auf 68 Prozent, während Prognosemärkte eher bei rund 30 Prozent liegen.
Wichtiger als die Personalie ist für die Bank jedoch die fiskalische Verfassung des Landes. Die Staatsverschuldung nähert sich 120 Prozent der Wirtschaftsleistung, das Haushaltsdefizit liegt über fünf Prozent.
Die zehnjährige französische Anleiherendite kletterte zuletzt auf 4,2 Prozent – das höchste Niveau seit 2008. Der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen, der sogenannte OAT-Bund-Spread, hat sich bereits auf über 80 Basispunkte ausgeweitet.
Goldman Sachs erwartet eine Stabilisierung um 70 Basispunkte, sieht aber 100 Basispunkte als realistisches Stressszenario. Historisch war eine Ausweitung des Spreads um 10 Basispunkte mit einem Rückgang des CAC 40 um etwa 3 Prozent verbunden – bei stärker binnenorientierten französischen Werten sogar mit 4 Prozent.
Warum der Index resistenter ist, als es scheint
Der CAC 40 war in den Jahren 2024, 2025 und bislang auch 2026 der schwächste große Aktienindex Europas und blieb gegenüber dem Stoxx 600 zwischen 5,2 und 7,8 Prozentpunkten zurück. Bemerkenswert dabei: Nur rund 15 Prozent der Umsätze der Indexmitglieder stammen aus Frankreich selbst.
Der Index ist also weniger ein Spiegelbild der heimischen Wirtschaft als vielmehr ein global diversifiziertes Konstrukt – anders als reine Inlandswerte, die im Schnitt die Hälfte ihrer Erlöse in Frankreich erzielen.
Günstiger geworden sind französische Aktien durchaus: Inlandsorientierte Titel handeln mit einem Abschlag von rund 35 Prozent zum europäischen Markt, französische Banken sogar mit rund 25 Prozent Abschlag zu ihren Wettbewerbern – trotz eines Kursanstiegs von etwa 140 Prozent seit Anfang 2022. Hinzu kommt steuerlicher Gegenwind: Die verlängerte Körperschaftssteuer-Zusatzabgabe drückt die Gewinne des CAC 40 nach Goldman-Schätzungen um rund 2 Prozentpunkte, bei binnenorientierten Werten sogar um 4,5 Prozentpunkte.
Goldman Sachs rechnet nicht mit einer Systemkrise, verweist auf stabilere europäische Institutionen und den Kurswechsel des Rassemblement National weg von einer Anti-Euro-Haltung. Bis zur Wahl 2027 und durch die jährlichen Haushaltsdebatten hindurch dürfte die Risikoprämie für französische Vermögenswerte aber erhöht bleiben – die Bank bevorzugt aktuell französische Anleihen gegenüber heimischen Aktien und setzt stattdessen auf deutsche Titel.
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