Broadcom, Entscheidet

Broadcom vor dem 2. September: Entscheidet der Quartalsbericht über die Trendwende?

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 15:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Broadcom-Aktie fällt nach Marvell-Google-Deal und Rating-Abstufung. Der Quartalsbericht am 2. September entscheidet über die weitere Kursentwicklung.

Broadcom-Aktie im Sinkflug: Quartalszahlen am 2. September als Richtungsweiser
Abstrakte Darstellung eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Glasfaserkabeln und technologischer Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ausgangslage

Die Broadcom-Aktie steht unter Druck. Innerhalb einer Woche verlor das Papier rund 14 Prozent, nachdem Rivale Marvell Technology eine erweiterte Partnerschaft mit Google für kundenspezifische Chips verkündet hatte. Google erhielt dabei Warrants zum Kauf von bis zu 58,97 Millionen Marvell-Aktien im Wert von rund 12,2 Milliarden Dollar – ein Signal, dass der Suchkonzern seine Chip-Beschaffung diversifiziert.

Zusätzlich belastete Bank of America die Stimmung, als Analyst Tom Curcuruto am 14. August die Emittenten- und Anleihe-Ratings von Broadcom von "Overweight" auf "Marketweight" zurückstufte – begründet mit finanziellen Risiken der gemeinsam mit Apollo und Blackstone aufgesetzten "AI XPV"-Finanzierungsplattform. Aktuell notiert die Aktie bei 311,95 Euro, rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro.

Diese Gemengelage trifft die Aktie kurz vor einem wichtigen Termin: Am 2. September legt Broadcom die Zahlen zum dritten Fiskalquartal 2026 vor. Genau dieser Bericht dürfte zeigen, ob der Kurseinbruch eine Übertreibung war oder der Beginn einer strukturellen Neubewertung.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht eine einzige Kennzahl: das Wachstum im KI-Halbleitergeschäft. Im zweiten Fiskalquartal hatte Broadcom laut eigenen Angaben einen Umsatz von 22,19 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 47,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit einem KI-Halbleiterumsatz von 10,8 Milliarden Dollar.

Für das dritte Quartal hat das Management einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, was einem Wachstum von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Bestätigt Broadcom diese Zahlen am 2. September, würde das den Zweifeln entgegenwirken, die der Marvell-Deal ausgelöst hat.

Verfehlt das Unternehmen die Erwartung oder liefert nur schwache Ausblicke für die Kundenbasis jenseits der bekannten Großabnehmer, dürfte die Verunsicherung über schwindende Marktanteile im Custom-Silicon-Geschäft neue Nahrung erhalten.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Punkte. Berichten zufolge hat Broadcom Ende Juli eine großangelegte KI-Chip-Partnerschaft mit Samsung für kundenspezifisches Chipdesign vereinbart, die über mehrere Jahre potenziell hunderte Milliarden Dollar Volumen umfassen könnte – ein Gegengewicht zum Marvell-Google-Deal.

Auch von der Analystenseite kommt Rückhalt: TD Cowen bekräftigte am 19. August ein "Buy"-Rating mit einem Kursziel von 500 Dollar und verwies auf die mehrjährige Sichtbarkeit im KI-Halbleitergeschäft trotz wachsender Konkurrenz durch Marvell und MediaTek.

Citi äußerte sich am 12. Mai ähnlich und riet nach dem Kursrutsch explizit zum Einstieg, ebenfalls mit einem Kursziel von 500 Dollar. Bestätigt der Bericht am 2. September das prognostizierte Wachstum von 84 Prozent, könnte die Aktie das verlorene Terrain zumindest teilweise zurückgewinnen.

Bärisches Szenario

Die Risiken sind jedoch real. Die Ratingherabstufung durch Bank of America betrifft nicht das operative Geschäft, sondern die Finanzarchitektur: Die "AI XPV"-Plattform könnte laut Bank of America bis Mitte 2029 auf ein Volumen von 370 Milliarden Dollar an vorrangigen Schulden anwachsen, wobei Broadcoms eigene Unterlagen den maximalen Verlust aus der ersten Transaktion der Plattform auf 29 Milliarden Dollar begrenzen.

Diese Hebelwirkung könnte im Fall einer KI-Nachfrageabschwächung zum Problem werden. Hinzu kommt juristischer Gegenwind: Ein EU-Gericht wies Broadcoms Antrag ab, ein Kartellverfahren zur Herausgabe von US-Rechtsdokumenten im Zusammenhang mit der VMware-Übernahme auszusetzen – das Verfahren läuft damit weiter, ein inhaltliches Urteil steht aus.

Parallel meldeten Sicherheitsforscher eine aktiv ausgenutzte kritische Sicherheitslücke im VMware-vCenter-Syslog-Server, die trotz eines Notfall-Patches Ende Juli Systeme in 47 Ländern betrifft.

Auch Insider-Verkäufe geben zu denken: Regulierungsunterlagen zufolge verkauften Führungskräfte in den vergangenen zwölf Monaten netto Aktien im Wert von 1,197 Milliarden Dollar, dem stehen lediglich 1,9 Millionen Dollar an Käufen gegenüber.

Ausblick

Kurzfristig bleibt die Aktie technisch angeschlagen: Der RSI von 34,5 signalisiert eine überverkaufte Lage, während der Kurs rund 8,0 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt notiert.

Solange das Papier über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt, von dem es nur 2,1 Prozent entfernt notiert, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt. Kippt diese Marke, würde das die Sorgen um den Marktanteilsverlust an Marvell und die Risiken der AI-XPV-Finanzierung bestätigen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht am 2. September: Bestätigt Broadcom die avisierten 29,4 Milliarden Dollar Umsatz und liefert belastbare Aussagen zur Kundendiversifikation jenseits des Google-Marvell-Risikos, dürfte das die Diskussion über einen fundamentalen Bruch beenden. Bleibt der Ausblick vage oder enttäuscht das KI-Segment, dürfte der Vertrauensverlust der vergangenen Woche anhalten.

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