Broadcom Aktie: Tan widerspricht Amodei
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 16:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Wochenend-Essay von Anthropic-Chef Dario Amodei hat die KI-Branche aufgeschreckt. Er plädierte für ein bewussteres Entwicklungstempo bei leistungsfähigen KI-Modellen, Rückendeckung kam von OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk. Die Börse reagierte prompt – und Broadcom-Chef Hock Tan musste sich am Montag bei CNBC dazu erklären.
Seine Antwort fiel eindeutig aus. "Nein, nicht im Geringsten", sagte Tan in der Sendung "Mad Money", als Moderator Jim Cramer fragte, ob die Debatte etwas an Broadcoms Prognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 ändere. Die Nachfrage nach Rechenleistung – sowohl für die Entwicklung neuer Modelle als auch für deren tägliche Nutzung – bleibe stark und aus seiner Sicht dauerhaft.
Die Zahlen bleiben stehen
Konkret hält Broadcom an der Ende Mai kommunizierten Prognose fest: 115 Milliarden Dollar KI-Halbleiterumsatz im Geschäftsjahr 2027, ein weiterer Sprung auf rund 230 Milliarden Dollar im Jahr 2028. Besonders bemerkenswert: Tan bestätigte, dass Anthropic 2027 zum größten Custom-Chip-Kunden des Unternehmens aufsteigen und diese Position auch 2028 halten soll.
Bislang galt Google als wichtigster Partner im Custom-Chip-Geschäft. Genau diese Verflechtung erklärt, warum Amodeis Äußerungen an der Börse solche Wellen schlugen.
Tan differenzierte zudem zwischen Training und Inferenz. Bei der Modell-Entwicklung selbst zeigte er sich zurückhaltender, bei der praktischen Anwendung bestehender KI-Systeme im Alltag rechnet er hingegen mit anhaltend hoher Nachfrage.
Der Broadcom-Chef verglich die Bedeutung generativer KI mit der industriellen Revolution und sprach sich zugleich für Leitplanken bei der Nutzung aus – ohne die Technologie selbst zu dramatisieren. "Es ist kein lebendiges Tier, das von selbst wild wird", so Tan.
Kurs gibt nach, Sektor stärker betroffen
Die Anleger reagierten dennoch nervös. Die Broadcom-Aktie verlor rund 4,8 Prozent und schloss bei 344,72 US-Dollar. Der breitere Halbleitersektor traf es noch härter: Der iShares Semiconductor ETF gab um 5,6 Prozent nach, auch Anbieter von Rechenzentrumskomponenten gerieten unter Druck.
Die Reaktion zeigt, wie sensibel der Markt auf jede Andeutung einer KI-Wachstumsbremse reagiert – selbst wenn das betroffene Unternehmen selbst keinerlei Anzeichen einer Abschwächung sieht. Tans klare Positionierung dürfte kurzfristig zur Beruhigung beitragen, entscheidend wird jedoch bleiben, ob sich die Nachfrage nach Inferenz-Kapazitäten in den kommenden Quartalszahlen tatsächlich so robust zeigt, wie der Broadcom-Chef es prognostiziert.
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