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Broadcom Aktie: EU-Prüfung zu VMware wird zum Belastungstest

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU untersucht Broadcoms VMware-Lizenzpraxis, während das KI-Geschäft kräftig wächst und mögliche Auflagen den Softwarebereich belasten könnten.

Fotorealistisches Rechenzentrum mit Netzwerk-Switches und Glasfaserverkabelung, generisch und markenfrei
Broadcom Inc. (US11135F1012): fotorealistische Aufnahme eines modernen Rechenzentrums mit generischen Netzwerk-Switch-Racks und bunten Glasfaserkabeln Illustration mit AI erstellt.

Kartellrechtliche Nachfrage aus Brüssel setzt neuen Fokus

Während die Broadcom-Aktie sich von der jüngsten Kursschwäche nach der angehobenen KI-Umsatzprognose vor rund zwei Wochen erholt, rückt ein anderes Thema in den Vordergrund: die EU-Kartellbehörde hat ihre Prüfung der VMware-Lizenzpraxis verschärft.

Laut einem Bericht von Bloomberg, verbreitet über MT Newswires, fordern die Regulierer von Cloud-Anbietern detaillierte Angaben zur Notwendigkeit von VMware-Software, zu verfügbaren Alternativen und zu möglicherweise restriktiven Zertifizierungsbedingungen.

Die Anfrage knüpft an einen Fragebogen aus dem Juli an und betrifft damit direkt die Integration der für 61 Milliarden Dollar übernommenen Virtualisierungssparte.

Der Zeitpunkt ist heikel. Cloud-Anbieter könnten nach einer Frist Ende März den Zugang zum VMware-Abonnementvertrieb im Rahmen des überarbeiteten Partnerprogramms von Broadcom verlieren, sollten sie die Bedingungen nicht erfüllen.

Für Anleger bedeutet das: Ein Geschäftsbereich, der im dritten Fiskalquartal mit 8,8 Milliarden Dollar Umsatz und einem Plus von 29 Prozent zum Wachstumsträger neben dem KI-Halbleitergeschäft wurde, steht nun unter regulatorischer Beobachtung, deren Ausgang offen ist.

Bleibt das Lizenzmodell unangetastet?

Für die Bewertung der Aktie zählt derzeit vor allem eine Größe: Wie stark greift die EU in das Lizenz- und Zertifizierungsmodell von VMware ein, das Broadcom seit der Übernahme systematisch umgebaut hat.

Die Softwaresparte liefert margenstarke, wiederkehrende Erlöse und stützt die Profitabilität des Konzerns erheblich – im dritten Quartal trug das operative Geschäft zu einem GAAP-Nettogewinn von 13,1 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 216 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sollte Brüssel Auflagen erlassen, die das Partnerprogramm oder die Preisgestaltung einschränken, würde das ausgerechnet jenen Teil des Geschäfts treffen, der bislang als stabiler Gegenpol zum volatilen, aber schneller wachsenden KI-Chipgeschäft galt.

Prüfung bleibt folgenlos, KI-Wachstum trägt weiter

Im positiven Fall bleibt die EU-Anfrage eine reine Informationsbeschaffung ohne belastende Sanktionen. Broadcom könnte argumentieren, dass Kunden ausreichend Alternativen zur Verfügung stehen und die Zertifizierungsbedingungen marktüblich sind.

Gleichzeitig liefert das Halbleitergeschäft weiterhin die eigentliche Wachstumsstory: Die KI-Halbleitersparte wuchs im dritten Quartal um 221 Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar, die gesamte Halbleiterlösungssparte um 127 Prozent auf 20,8 Milliarden Dollar.

Bleibt dieses Tempo erhalten, dürfte die Kartellfrage für die Bewertung in den Hintergrund treten, zumal der Konzern im vierten Fiskalquartal eine operative Marge von rund 66 Prozent des Umsatzes in Aussicht stellt.

Auflagen träfen ein zentrales Standbein

Ernster wird es, sollte die EU-Prüfung in ein formelles Verfahren mit verbindlichen Auflagen münden. Ein Zwang zur Öffnung der Zertifizierung oder zur Lockerung des Partnerprogramms würde die Preissetzungsmacht bei VMware schwächen – genau jenen Hebel, mit dem Broadcom die Sparte seit der Übernahme profitabler gemacht hat.

Da Cloud-Anbieter im Zentrum der Anfrage stehen, könnte zudem die Drohkulisse eines möglichen Zugangsverlusts zum VMware-Vertrieb ab Ende März zum Verhandlungsdruck werden – in beide Richtungen. Hinzu kommt die ohnehin hohe Bewertung: Die Aktie notiert rund 29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, was zeigt, dass der Markt bereits sensibel auf Rückschläge reagiert. Die 30-Tage-Volatilität von 36 Prozent unterstreicht, wie nervös das Umfeld bleibt.

Entscheidung fällt an zwei Fronten

Solange die EU-Prüfung im Stadium der Informationsabfrage verbleibt und keine formellen Auflagen folgen, dürfte das KI-Wachstum die Erzählung dominieren – der Kurs handelt aktuell bei 306,55 Euro und damit 3,6 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 318,01 Euro, was auf eine Stabilisierungsphase nach der Korrektur hindeutet.

Kippt die Prüfung jedoch in ein förmliches Verfahren mit Sanktionsdrohung, würde das Vertrauen in die Softwaresparte als verlässlichen Cashflow-Lieferanten erschüttert.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Frist Ende März, an der sich zeigt, ob Cloud-Anbieter den VMware-Vertriebszugang unter den neuen Partnerbedingungen behalten. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen zwei Kräften gefangen: dem ungebrochenen KI-Momentum und einem regulatorischen Risiko, dessen Ausgang noch nicht feststeht.

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