Broadcom Aktie: 370 Milliarden Dollar Exposure bis 2029
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 22:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Broadcom steckt in einer schwierigen Woche. Die Aktie notiert aktuell bei 311,60 Euro, nach einem Rückgang von 14 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht. Zwei Themen belasten das Papier parallel: ein Chip-Deal von Google mit dem Konkurrenten Marvell und wachsende Sorgen um Broadcoms Engagement in der Finanzierung von KI-Infrastruktur.
Google diversifiziert seine Chip-Lieferkette
Google hat sich am Mittwoch mit Marvell auf eine erweiterte Partnerschaft für KI-Beschleuniger geeinigt. Im Rahmen des Deals kann Google Optionsscheine auf knapp 59 Millionen Marvell-Aktien zum Preis von 206,58 US-Dollar erwerben, ein Volumen von rund 12,2 Milliarden Dollar.
Marvell bestätigte in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht die Entwicklung eines KI-Beschleunigers für Google unter dem Projektnamen „Frozen v2". Die Marvell-Aktie legte daraufhin um bis zu zehn Prozent zu.
Für Broadcom ist die Nachricht unangenehm, weil Google bislang zu den wichtigsten Kunden für kundenspezifische KI-Chips zählt. Ein Analyst von RBC bezifferte das Volumen der Google-TPU-Beschaffung bei Broadcom und MediaTek auf 80 bis 90 Milliarden Dollar im kommenden Jahr – ein Markt, den sich Marvell nun mit erschließen will.
Ein Branchenanalyst ordnete den Deal jedoch als Wachstum des Gesamtmarktes ein, nicht als Verdrängung von Broadcom. Die Broadcom-Aktie gab am Mittwoch an der Wall Street rund fünf Prozent nach, erholte sich am Donnerstag im US-Handel aber wieder leicht.
BofA warnt vor Finanzierungsrisiken
Parallel dazu rückte ein zweites Thema in den Fokus: Broadcom hat sich als Garant an einer KI-Finanzierungsplattform mit Apollo und Blackstone beteiligt, die Investitionen von mehr als 20 Gigawatt an Rechenzentrumskapazität absichern soll.
Die Bank of America warnte vor einem möglichen Gesamt-Exposure von bis zu 370 Milliarden Dollar bis 2029, wobei das maximale Risiko aus der ersten Transaktion mit rund 29 Milliarden Dollar beziffert wird. Investoren reagierten verunsichert auf die Nachricht, die Aktie fiel zeitweise fast 21 Prozent unter ihr 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro.
Das operative Geschäft selbst liefert dagegen weiterhin starke Zahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Broadcom einen Umsatz von 22,2 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 9,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der KI-Halbleiterumsatz sprang um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar, für das dritte Quartal stellte das Unternehmen bereits 16 Milliarden Dollar in Aussicht.
Analysten bleiben trotz Kursrückgang optimistisch
Trotz der jüngsten Turbulenzen halten viele Analysten an ihrer positiven Einschätzung fest. Vor den für den 2. September erwarteten Quartalszahlen rechnet der Konsens mit einem Umsatz von 29,25 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 3,21 Dollar, jeweils deutlich über dem Vorjahreswert. Häuser wie Citi, Goldman Sachs und TD Cowen stufen die Aktie mit Kaufempfehlungen ein, die genannten Kursziele liegen zwischen 500 und 525 Dollar.
Der Kapitalmarkt zeigt sich derweil gespalten: Während der Vermögensverwalter ARK die Kursschwäche zum Nachkauf nutzte und mehr als 55.000 Aktien erwarb, verkauften Insider laut jüngeren Meldungen in den vergangenen Monaten Aktien im Wert von mehreren Millionen Dollar.
Mit einem Relative-Strength-Index von 34,3 gilt die Aktie charttechnisch als überverkauft, notiert aber weiterhin rund 2,2 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 318,60 Euro. Die Quartalszahlen am 2. September dürften zeigen, ob das operative Wachstum die Sorgen um Wettbewerb und Finanzierungsrisiken überstrahlen kann.
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