Brent Crude: Macron drängt auf Reserven
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 13:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ölmarkt atmet kurz durch. Nach Wochen mit steilem Preisanstieg gibt Brent Crude nach, bleibt aber oberhalb der 100-Dollar-Marke je Barrel. Die Verschnaufpause täuscht: Strukturell bleibt der Markt angespannt, und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will das Thema nun auf die G7-Agenda heben.
Macron drängt auf eine weitere koordinierte Freigabe von Notfallreserven. Das Ziel: die auf Rekordniveau gestiegenen Preise für Diesel und andere raffinierte Kraftstoffe zu drücken. Der europäische Diesel-Referenzpreis kletterte diese Woche über 200 Dollar je Barrel — getrieben von russischen Exportbeschränkungen und weiterhin eingeschränkten Lieferungen aus dem Nahen Osten.
Reserven schon deutlich geschrumpft
Seit März haben die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur bereits mehr als 300 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven freigegeben. Die weltweit beobachteten Lagerbestände liegen trotzdem rund 507 Millionen Barrel unter dem Niveau vor Kriegsbeginn. In den vergangenen sechs Monaten schrumpften die Reserven im Schnitt um 2,8 Millionen Barrel pro Tag.
Eine weitere Freigabe könnte kurzfristig Druck aus dem Markt nehmen. Die eigentlichen Probleme löst sie jedoch nicht. Die beschädigte saudische Ost-West-Pipeline bleibt außer Betrieb, russische Raffinerien liegen weiter lahm, und auch die Straße von Hormus bleibt eine Engstelle.
Saudi Aramco hat inzwischen mindestens zwei europäische Raffinerien informiert, dass sie im Oktober kein Rohöl erhalten werden — Folge des Pipeline-Angriffs. Der Konzern organisierte stattdessen eine Alternativroute über den Persischen Golf mit Umladungen vor Oman, rund 60 Millionen Barrel.
Der Großteil davon ist allerdings für asiatische Raffinerien bestimmt, nicht für Europa. Der Kontinent muss sich stärker auf Nordsee-Öl und andere Förderregionen verlassen.
Parallel dazu richten sich die Blicke auf geldpolitische Signale aus den USA: Die Fed-Zinserhöhung der vergangenen Woche und steigende Zwei-Jahres-Renditen nähren Sorgen, dass die Inflation nicht nur an den Ölpreisen hängt, sondern auch an der Dienstleistungsinflation.
Ob die G7 tatsächlich eine neue Freigabe beschließt, ist offen. Bis die saudische Pipeline vollständig repariert ist, könnten nach Unternehmensangaben noch etwa sechs Wochen vergehen — bis dahin bleibt der Markt auf Ersatzrouten und Reserven angewiesen.
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