Brent Crude: Iran-Rhetorik treibt Preis auf 94 Dollar
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 13:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ölpreis zieht weiter an. Brent Crude verteuert sich um knapp drei Prozent auf fast 94 Dollar je Barrel, WTI klettert im gleichen Tempo auf rund 86,50 Dollar. Auslöser bleibt der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der den Ölmarkt seit Tagen in Atem hält.
US-Präsident Donald Trump hat seine Drohkulisse gegen Teheran erneut verschärft. Er kündigte die "vernichtendste Wirtschaftsoperation" an, die je gegen ein Land verhängt wurde, und stellte jedem Staat wirtschaftliche Konsequenzen in Aussicht, dessen Banken, Unternehmen oder Behörden dem Iran eine "Lebensader" bieten.
Zur Straße von Hormus erklärte er, die USA hätten "vollständige Kontrolle" über die Meerenge — Gespräche mit Teheran könnten "irgendwann" wieder aufgenommen werden. Irans Außenminister Abbas Araghchi konterte, Trumps Beharren auf einer gescheiterten Politik werde den USA nur eine weitere Niederlage bringen.
Markt reagiert verhalten auf neue Drohungen
Bemerkenswert: Nach den kräftigeren Ausschlägen zu Wochenbeginn blieb die Preisbewegung zuletzt vergleichsweise gedämpft — trotz Trumps Ankündigung eines "Wirtschaftskriegs" gegen Iran. Iranische Medien reagierten auf die neuerliche Drohung zunächst zurückhaltend.
Ein Anlagestratege des US-Hedgefonds Karobaar Capital verwies auf die geringe Volatilität als eigentliche Nachricht: Der Markt habe offenbar gelernt, nicht mehr auf jede Schlagzeile mit sofortigen Preisausschlägen zu reagieren.
Die Furcht vor Lieferausfällen aus Westasien bleibt dennoch das bestimmende Thema. Zusätzliche Spannungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Iran nähren die Sorge vor einer Eskalation, die den Warentransport durch die Region beeinträchtigen könnte.
Die Rohstoffwährungen Australien-, Neuseeland- und Kanada-Dollar profitierten im europäischen Handel von den höheren Ölpreisen und legten gegenüber ihren wichtigsten Gegenwährungen zu.
Die hohen Notierungen kommen unterdessen Energiewerten zugute. Aktien von Öl- und Gasproduzenten wie Eni verzeichneten spürbaren Rückenwind und näherten sich neuen charttechnischen Marken.
Solange die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran festgefahren bleiben, dürfte die Risikoprämie im Ölpreis bestehen bleiben. Ein Wiederaufleben der Gespräche, wie von Trump vage in Aussicht gestellt, wäre der nächste Punkt, der den Markt aus seiner derzeitigen Ruhephase reißen könnte.
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