Brent, Crude

Brent Crude: Analysten rechnen mit teurem Jahr

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 14:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Exportstörungen stützen die Brent-Prognosen, während Chinas schwindende Reserven und schwache Nachfrage die weitere Entwicklung beeinflussen.

Brent-Ölpreis 2026: Analysten erwarten im Schnitt 89,05 Dollar
Industrielles Ölpipeline-Ventil in einer weitläufigen Ölquelle bei Sonnenuntergang Illustration mit AI erstellt.

Die Prognosen für den Ölpreis wandern nach oben. Eine Umfrage unter 30 Analysten sieht Brent 2026 im Schnitt bei knapp 90 Dollar je Barrel. Der Grund: Die Störungen bei den Exporten aus dem Golf überlagern die Sorgen um die Nachfrage.

Hormus bleibt der Engpass

Genauer liegt die Durchschnittsprognose bei 89,05 Dollar für Brent, für US-Leichtöl bei 83,90 Dollar. Die Spanne der Einzelschätzungen reicht von 77,27 bis 97,60 Dollar. Das Bild ist also keineswegs einheitlich.

Mehrere Analysten halten eine vollständige Wiederherstellung der Lieferungen durch die Straße von Hormus kurzfristig für unwahrscheinlich. Die DBS Bank setzt nicht auf eine Lösung des Konflikts in den kommenden drei bis sechs Monaten und sieht bei weiterer Eskalation erhebliche Aufwärtsrisiken.

HSBC unterstellt in ihrem Basisszenario eine "strukturell beeinträchtigte" Meerenge. Die Durchflüsse liegen demnach weit unter den 19 bis 20 Millionen Barrel pro Tag, die vor dem Konflikt passierten.

Goldman Sachs zeichnet ein etwas freundlicheres Bild: Die Golfexporte, inklusive Tanker mit abgeschaltetem Transponder, sind danach zuletzt auf 23,3 Millionen Barrel täglich gestiegen. Das entspricht dem Durchschnitt von 2025. Im September haben sich die Ausfuhren demnach verdoppelt.

China als Unsicherheitsfaktor

Als wichtigste offene Variable nennen Analysten die chinesischen Lagerbestände. Der größte Rohölimporteur der Welt zehrte im Konflikt von seinen Vorräten und trat am Markt entsprechend zurückhaltend auf. Dieser Puffer schrumpft. Die Importe stiegen in den vergangenen zwei Monaten und erreichten im August knapp 9 Millionen Barrel täglich, weiterhin unter dem historischen Niveau.

Nomisma Energia erwartet, dass Peking mehr kaufen muss, weil die Reserven nicht über den ganzen Winter reichen. Die Nachfrageseite bremst dagegen. Schwächeres Wachstum und maue Industrieaktivität dürften laut EIU verhindern, dass die Preise an die Spitzen unmittelbar nach Kriegsbeginn heranreichen.

Kurs zwischen Entspannung und Sorge

Brent notiert derzeit bei rund 97,80 Dollar und legte zuletzt gut 1,6 Prozent zu. Zuvor hatten die Preise nachgegeben, nachdem Saudi-Arabien nach Reparaturen mehr Öl durch eine zentrale Pipeline leitete. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 70 Prozent zu Buche, der Konflikt geht in den achten Monat.

Die Energiepreise wirken weit über den Ölmarkt hinaus: Die Rendite langlaufender US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2002, weil hohe Energiekosten die Fed zu weiteren Zinserhöhungen zwingen könnten.

Für 2027 rechnen die meisten Analysten mit einem Überschuss am Markt, sofern sich die Schifffahrt normalisiert, die Golfförderung erholt und die Produktion außerhalb der OPEC weiter wächst. Bis dahin sollen die Lagerbestände 2026 deutlich sinken, weil Verbraucherländer Notreserven und kommerzielle Vorräte anzapfen.

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